Ein Moment an sich ist eine flüchtige Angelegenheit. Ihn festzuhalten ist ebenso schwer wie einzigartig. Gregor Schlierenzauer gelingt es derzeit in doppelter Ausführung. Mit seiner Kamera bannt er seine stillen Momente auf Fotografien, mit seinen Sprungkünsten schaffte er es heuer mehr als ein Mal sich sportliche Momente für die Ewigkeit zu erschaffen.
Seine Vorbereitung
Den Grundstein für eine gute Saison legt man im Sommer, das ist bei den Skispringern nicht anders. Schlierenzauer ging heuer einen anderen Weg, als die Jahre zuvor. Neben den obligatorischen Schnellkraftübungen für Skispringer setzte er auf Kondition. "Die Vorbereitung war sehr viel auf Ausdauer bezogen. Es war ein neuer Akzent, ich fühle mich jetzt noch sehr frisch, das ist zur späten Stunde in der Saison sicher kein Nachteil. Ich bin so fit wie noch nie. Es ist eine Genugtuung, dass dieses Training im Sommer gefruchtet hat."
Seine stillen Momente
Mit genügend Power für eine gesamte Saison bewaffnet, fand Schlierenzauer heuer auch Zeit, nach den "Snapshots" seine zweite Fotoaustellung zu präsentieren. Der einfache, aber vielsagende Titel: "Stille Momente". Es ist ein Ausgleich für das Ausnahmetalent. "Nur Skispringen hältst du im Kopf nicht aus", sagt er. Die Fotografie hilft, zudem sind die stillen Moment auch im Hause Schlierenzauer Programm: "Dadurch, dass es manchmal sehr stressig ist, gibt es nur wenig Zeit für einen selber und die Familie. Ich genieße es, wenn diese Zeit dann da ist. Das sind die stillen Momente und die versuche ich dann festzuhalten."
Sein erster Weltcuperfolg
Im Weltcup legte Schlierenzauer gleich zu Beginn eine andere Gangart an den Tag. Statt still wurde es schnell laut. Schon am ersten Wochenende feierte er beim zweiten Weltcupspringen den ersten Saisonsieg in Lillehammer. "Wenn du so in die Saison startest, ist gleich der Motivationskick da. Du weißt dann, wie gut du gearbeitet hast im Sommer, du nichts aufholen brauchst und du dieses Gefühl hast, dass alles passt. Vor allem, wenn so viel Neuland wie heuer mit den neuen Anzügen dabei ist. Ein Sieg zu Beginn ist meistens die Voraussetzung für eine gewaltige Saison."
Sein Triumph bei der Tournee
Gewaltig sollte die Saison auf jeden Fall werden, jedoch ohne Messer zwischen den Zähnen. Die Genussreise stand heuer beim inzwischen gestandenen Profi Schlierenzauer im Vordergrund, so auch bei seinem zweiten Triumph der Vierschanzentournee.
Schlierenzauer über die 61. Vierschanzentournee
Der Tiroler über den Spagat zwischen Ehrgeiz und Genuss: "Zwischendurch war ich natürlich extrem fokussiert. Es hat sehr viel Konzentration, Leidenschaft und mentale Stärke gebraucht. Aber es war bisher für mich die coolste und genialste Tournee, weil ich es wirklich genießen konnte. Mir ist es gelungen jeden Moment warzunehmen und im Jetzt zu sein und wenn dir das - nicht nur im Sport - gelingt, dann geht es dir gut, dann bist du in Balance. Es war ganz anders, als bei meinem ersten Tourneesieg, den ich durch meinen Kampfgeist und Killerinstinkt errungen habe."
Sein Legendentag
Und plötzlich war er dann da, der eine Tag an dem der Junge mit dem unglaublichen Bewegungstalent zur fliegenden Legende aufstieg. Das wetterbedingte Doppelspringen in Harrachov an einem Tag sorgte für die Siege mit der Nummer 47 und 48. Der Rekord war gebrochen. "Für mich war das ein Tag, der meine ganze Karriere wiederspiegelt. Keiner konnte bisher zwei Mal an einem Tag gewinnen und plötzlich stand die magische Zahl 47 da. Das war bombastisch, was dort in drei Stunden passiert ist. Das muss man erst mal verarbeiten. Ich glaube, dass kann ich überhaupt erst nach der Saison, wenn man resümiert und einem gewisse Dinge einfach klarer werden."
Seine Weltmeisterschaft
Die logische Konsequenz der Weitenjagd über die Schanzen dieser Welt: Die unausweichliche Favoritenrolle bei der Weltmeisterschaft in Val di Fiemme. Es wurde Gold im Teambewerb und zweimal Silber im Mixed beziehungsweise auf der Normalschanze. Medaillen also, bei denen man Österreich vor der WM nicht ganz oben auf dem Zettel hatte. "Im Nachhinein gesehen, passte die Weltmeisterschaft genau zu meiner Saison. Ich habe unglaublich viel erreicht, hatte schöne Momente. Die WM zeigte, dass auch ein Gregor Schlierenzauer nur ein Mensch ist und es oft so kommt, wie man es nicht erwartet."
Sein Hot-Spot
Wer denkt, dass die Genussreise mit der Erweiterung der Edelmetallsammlung zu Ende war, irrt jedoch. Einen Tag nach der Weltmeisterschaft wurde die neue Heimat von Schlierenzauers "stillen Momenten" präsentiert. Im Hangar 7 kann man seine Arbeit abseits der Schanze nun beobachten. Der rasche Sprung zwischen Skisprung-Weltmeisterschaft und Fotoaustellung zeigt auch den Stellenwert des Projekts für Schlierenzauer: "Die Location ist einzigartig, hier kommen die Bilder nochmals ganz anders zur Geltung. Es ist sehr schön, wenn man neben dem Sport etwas hat, das man herzeigen kann."
Sein Gesamtweltcup
Im Verlauf dieser Story gab es "Genuss", die "bombastische Saison" und "die gewaltige Leistung". Dass sich nun der Kreis mit dem Triumph im Gesamtweltcup schließt, passt da nur ins Bild: "Ich habe den Gesamtweltcup fast auf der gleichen Stufe, wie einen Olympia- oder Tournee-Sieg. Es zeigt einfach, dass man über die ganze lange Saison konstant der Beste war." Richtig, immerhin ist eine Genussreise keine Pauschalreise.
























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