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David Zauner

Zauner: "Kann wieder ganz vorne landen"

David Zauner spricht im sport10.at-Interview über sein Verletzungspech. Warum er immer noch an den großen Wurf glaubt, und was man mit einem gerissenen Kreuzband so alles machen kann.

Ski Nordisch |  07.02.2013 | 17:03 |  Matthias Höbarth

Anstatt selbst über den Bakken zu gehen, musste David Zauner das Geschehen am Bergisel bei der jüngsten Auflage der Vierschanzentournee vom Fenster seiner Innsbrucker Wohnung aus beobachten. Doch der Eisenerzer lässt sich selbst nach der vierten schweren Verletzung seiner Karriere nicht hängen und will schon bald wieder von den Schanzen dieser Welt abheben.

Im sport10.at-Interview verrät er, wieso er nach all den Tiefschlägen immer noch an Höhenflüge glaubt. Das Pendeln zwischen Krankenbett und Sprungschanze ist für den 27-Jährigen schon so etwas wie Routine geworden. Das Feuer für den Wettkampf ist nach dem neuerlichen Karriereknick aber wieder neu entfacht.

sport10.at: David, du hast dir kurz vor Weihnachten eine Verletzung am Kreuzband zugezogen. Hast du die Vierschanzentournee im TV verfolgt, oder hast du mal etwas Abstand vom Skispringen gebraucht?

David Zauner: Die habe ich im TV verflogt. Ich sehe ja in Innsbruck Luftlinie fast rüber bis zur Schanze. Da gab es quasi kein Entrinnen (lacht).

Was sagst du zu den Leistungen von Gregor Schlierenzauer?

Das ist einfach sensationell. Schön anzusehen, dass er es immer wieder schafft solche Topleistungen abzuliefern. Er ist einfach ein Vollblutsportler. Der ÖSV kann glücklich sein, ihn zu haben. Denn er holt die Kohlen immer wieder aus dem Feuer.

Wie groß ist der Schock bei dir im Moment nach der vierten schweren Verletzung?

Ich bin zufrieden. Es ist nicht das gleiche Knie wie vor zwei Jahren (lacht). Von daher hatte ich Glück im Unglück. Was den Heilungsverlauf angeht, bin ich quasi doppelt so schnell unterwegs wie damals. Ich kann also jetzt nach zwei Wochen schon Sachen machen, die damals nach einem Monat noch ein Problem waren.

Du musst dich vom Verletzungspech förmlich verfolgt fühlen.

Es gibt für alles einen Grund im Leben. Irgendwann werde ich für meinen Kampfgeist bestimmt belohnt werden. "Sudern" bringt mich jetzt nicht weiter. Ich bin kämpferisch und sportlich wieder voll auf Angriff ausgerichtet.

Sudern bringt mich jetzt nicht weiter. Ich bin voll auf Angriff ausgerichtet.
David Zauner über sein Verletzungspech

Nach so einer Verletzungsgeschichte macht man sich auch Sorgen um den weiteren Karriereverlauf. Welche Fragen beschäftigen dich im Moment?

Ich bin 27 Jahre alt und bin für einen Skispringer vom Alter her mittendrin. Darüber hinaus ist es erst mein viertes Jahr als Skispringer. Das Feuer brennt in mir, und so lange das der Fall ist, mache ich mir gar keine Gedanken über andere Dinge. Alles ist auf das Sportliche ausgelegt.

Wie sehen deine Pläne für ein Comeback aus?

Ich arbeite viel im energetischen Bereich und mit dem Physio. Das ist eine ideale Kombination. Ich mache mir  aber keinen Stress. Nach einem Kreuzbandriss muss man erfahrungsgemäß ohnehin mal sechs bis sieben Monate pausieren. Das werde ich auch einhalten. Für den Sommer steht es auf alle Fälle schon wieder zur Debatte, wettkampfmäßig mitzumischen. Ich mache mir da auch keine Gedanken, denn Skispringen ist wie Fahrradfahren. Das ist im Kopf abgespeichert. So etwas kann man gar nicht verlernen.

Skispringen ist wie Fahrradfahren. Das ist im Kopf abgespeichert. So etwas kann man gar nicht verlernen.
David Zauner über seine Comeback-Pläne

Als du dich damals in Lillehammer im Training verletzt hast, bist du sogar noch weiter gesprungen. Wieso hast du so lange mit der Operation zugewartet?

Ich habe mich damals entschlossen die Verletzung energetisch zu behandeln und konnte nach vier Wochen wieder Skifahren und Langlaufen. Der ÖSV hatte aber Bedenken und hat mich dann zurückgepfiffen. Ich hätte ohne Operation keine Starterlaubnis mehr bekommen und war denn entsprechend enttäuscht, da ich viel Arbeit in die Regeneration investiert hatte.

Du hast im Continentalcup mit zwei dritten Plätzen aufsteigende Form bewiesen. Hast du bei den letzten Bewerben schon Anzeichen für die Verletzung verspürt, oder kam es förmlich aus dem nichts?

In Kasachstan habe ich beim letzten Sprung gejubelt und danach einen Pflug gemacht. Dabei ist mir das Knie förmlich weggebrochen. Davor habe ich nie was bemerkt. Bei der Untersuchung hat sich dann herausgestellt, dass mein Kreuzband schon mal halb gerissen war. Bei der Operation hat sich dann interessanter Weise auch gezeigt, dass ich eine Knorpel-Fraktur hatte, die bereits wieder zugewachsen war.

Du hast dich nach eineinhalb Jahren Verletzungspause zurückgekämpft. Helfen dir diese Erfahrungen im Umgang mit der jetzigen Situation, oder überwiegt das Hadern mit dem neuerlichen Verletzungspech?

Ich habe jetzt genügend Erfahrung, um zu wissen, was ich machen muss. Einer meiner größten Stärken ist bestimmt, dass ich nach einem Rückschlag gleich wieder voll anschließen kann. Da bin ich ein wilder Hund. Das kann ich einfach. Das macht halt nicht jeder, mit einem gerissenen Kreuzband Skispringen zu gehen (lacht). Interessanterweise kann man ohne Kreuzband ja fast alles machen nur nicht Skispringen. Bei der Landung brauchst du das Kreuzband halt als Stütze.

Ich bin ein wilder Hund. Das macht halt nicht Jeder, mit einem gerissenen Kreuzband zu springen
David Zauner über seine Mentalität

Hast du dich auch mit einem möglichen Karriereende befasst?

Ich habe mich mit dem Gedanken nie befasst. Wegen einer Verletzung höre ich besimmt nicht auf. Ich strebe ein Karriereende als gesunder Mensch an.

Kannst du dir nach deiner Karriere ein Engagement als Trainer wie deine Ex-Kollegen Arthur Pauli oder Florian Liegl vorstellen?

Das kann ich mir auf alle Fälle vorstellen. Aber es ist definitiv zu früh, um darüber zu reden. Speziell der Jugend-Bereich und auch die Kombinierer sind ein Thema für mich. Ich lebe ja für den Sport und kann mir eine Tätigkeit im Leistungssport daher gut vorstellen. Im Moment bin ja am Flughafen beim Zoll angestellt und habe einen konkreten Beruf erlernt. Mich interessiert aber auch der Managementbereich. Ich arbeite ja selbst ohne Manager und kümmere mich selbst um meine Sponsoren. Da ist bis auf die beiden Hauptsponsoren beim ÖSV alles selfmade.

Gibt es laufenden Kontakt mit dem ÖSV?

Ich bin telefonisch mit den Trainern Alexander Pointner, Alexander Diess und Florian Liegl in Kontakt. Sie steuern natürlich auch das Training. Am Anfang hat jeder angerufen und gemeint, wie scheiße das nicht alles ist. Aber mittlerweile wissen sie, dass ich niemanden brauche und mich gut selbst motivieren kann.

Du bist 2008 mit großen Ambitionen von den Kombinierern zu den Spezialspringern gewechselt. Waren die Verletzungen der Hauptgrund, dass es nicht zum ganz großen Wurf gereicht hat?

In der ersten Saison war ich mehr als 10 Mal unter den Top-Ten und auch schon am Stockerl. Klar bin ich dann von der Verletzung zurückgeworfen worden. So ein Training fruchtet halt erst nach Jahren. Immer wieder von null anzufangen, ist sehr schwierig.

Klar bin ich dann von der Verletzung zurückgeworfen worden. Immer wieder von null anzufangen ist sehr schwierig.
David Zauner über seinen Karriereknick

Welche Ziele steckst du dir für dein Comeback?

Mein Wunschtraum ist nicht ausschließlich auf Ergebnisse ausgerichtet. Jetzt gilt es erstmal gesund zu werden, und in den Weltcup zurückzukommen. Top-Ten und Top-fünf sind durchaus möglich. Wenn du einen Lauf bekommst, kannst du auch ganz vorne landen.

Man sagt jede Verletzung hat auch seine positiven Seiten.

Da ist schon etwas dran. Nach jeder Verletzung werde ich ein wenig gescheiter. Für das Gleichgewicht und den Muskelaufbau ist es sogar positiv, wieder von vorne mit dem Training zu beginnen. Die Fasern werden dann wieder stärker. Man lernt auf alle Fälle wieder dazu. Die Chancen mich nächsten Winter im Weltcup wieder zu sehen, sind auf alle Fälle sehr hoch. Ich würde sagen ungefähr 100%.