Stefan Kraft hat die aufregendsten Tage seines Lebens hinter sich. Nicht nur, weil der Salzburger gerade einen Schritt zur Selbstständigkeit gemacht hat und in Mitterberghütten bei Bischofshofen seine erste eigene Wohnung bezogen hat.
Vielmehr hat es der 19-Jährige mit seinem dritten Platz beim Tourneefinale geschafft, mitten in der Skisprung-Weltklasse zu landen und gerade seine erste volle Weltcupwoche in Polen mit dem ÖSV-Team hinter sich.
Grund genug für sport10.at den neuen Shooting-Star unserer Skispringer zum Interview zu bitten.
sport10.at: Stefan, du hast dich bei den Weltcups in Polen trotz schlechter Windverhältnisse behauptet. Bist du zufrieden mit deiner ersten "englischen Weltcupwoche"?
Stefan Kraft: Ja, weil ich es geschafft habe zu zeigen, dass mein dritter Platz in Bischofshofen nicht nur ein Ausrutscher nach oben war. Man hat aber gesehen, dass man für ganz oben derzeit auch das nötige Windglück braucht.
Kraft über seinen steilen Aufstieg
Wie ist es gegen Leute wie Thomas Morgenstern zu springen, die schon als Kind dein Vorbild waren?
Es ist verrückt. Letztes Jahr hab ich mir die Tournee noch im Fernsehen angeschaut. Plötzlich bist du selbst dabei. Es zeigt, wie schnell man im Skispringen ein Star werden kann.
Mit welchem ÖSV-Star teilst du dir das Zimmer?
Mit Wolfgang Loitzl. Das passt super, weil wir schon letztes Jahr im Conti-Cup Zimmerkollegen waren. Dass wir das jetzt im Weltcup sind, ist natürlich noch lässiger.
In Zakopane durftest du die ÖSV-Mannschaft sogar als Schlussspringer zu Platz 3 führen. Was ist das für ein Gefühl?
Wenn der Trainer so eine Entscheidung trifft, gibt dir das viel Selbstvertrauen. Es ist eine große Ehre. Ich habe ja vorher nicht einmal gewusst, ob ich überhaupt im Team dabei bin. Das Betreuerteam hat gesagt, ich soll als Letzter springen, weil ich so etwas wie unser Joker bin. Eine sehr coole Sache.
Du durftest erstmals im Gelben Trikot springen.
Das hat mich sehr gefreut. Das Ding hebe ich mir ganz sicher auf. Das kriegt bei mir zuhause einen Ehrenplatz.
Kraft genießt die neue Popularität
Wie ist es, wenn sich plötzlich irrsinnig viele Leute für einen interessieren?
Ungewohnt, aber sehr schön. Vor der Tournee hatte ich gerade einmal 130 Fans auf Facebook. Jetzt sind es auf einmal 8.900. Aber meine Familie und mein Management hilft mir damit umzugehen.
Du hast auch privat einen Sprung gemacht, bist gerade in deine eigene Wohnung gezogen. Hattest du überhaupt schon Zeit dich einzurichten?
Ja, nur ein paar Bilder muss ich noch aufhängen (lacht). Der Schritt war für mich aber nicht so gewaltig, weil ich ja vorher im Internat in Stams auch schon selbstständig war und ein Zimmer für mich hatte. Ganz allein bin ich aber nicht. Das Haus gehört meinem Vater und ober mir wohnen seine Eltern, also meine Oma und mein Opa.
Weißt du schon, was du nach dem Skispringen machen willst?
Ich denke daran, Sportmanagement zu studieren. Auch irgendetwas mit Ernährung würde mich interessieren. Derzeit bin ich Heeressportler und trainiere im Landessportzentrum Rif.
Bist du auch beim Weltcup in Sapporo dabei?
Nein, weil ich ab Montag bei der Junioren-WM in Liberec um Medaillen kämpfe. Eine in jeder Farbe habe ich ja schon. Jetzt konnte ich ein paar Tage zuhause genießen. Mittwoch bis Freitag geht ist mit den anderen Jungen zum Training nach Oberstdorf.
Kraft über seine WM-Chancen
Nachdem unsere Routiniers derzeit schwächeln, hast du gute Chancen sogar bei der Nordischen-WM „der Großen" in Val di Fiemme dabei zu sein.
Das wäre für mich das Oberhighlight. Die Schanze in Predazzo liegt mir. Dort bin ich im Conti-Cup Zweiter geworden. Aber jetzt muss ich mich einmal auf die Junioren-WM konzentrieren. Die Konkurrenz dort ist stärker denn je, weil Topleute aus dem Weltcup wie Andreas Wellinger, Karl Geiger oder Jaka Hvala dabei sind.
Vor gut einem Jahr hast du noch im SportWoche-Gespräch über die Kraftwerte eines Thomas Morgenstern gestaunt und gemeint, du brauchst noch fünf Jahre um annähernd dort hinzukommen. Wie schaut es jetzt aus?
Da hat sich inzwischen einiges getan. Jetzt würde ich sagen, dass ich vielleicht schon in ein, zwei Jahren mein Maximum erreichen kann. Bei unserem letzten Interview hatte ich einen Wert auf der Kraftmessplatte von 61,5, zwei Jahre davor war es noch 55, jetzt steh ich schon bei 64.
Haben deine Eltern auch Sport betrieben?
Mein Papa Rene weniger, der ist ÖBB-Betriebsmanager und hat sich erst durch meine Karriere für Sport begeistert. Dafür war meine Mutter Margot Fußballerin und Langläuferin. Schon ihr Vater, also mein anderer Opa, war ein sehr guter Fußballer. Leider ist er letzten April verstorben. Vorher hat er mir seinen rot-weiß-roten Ford Focus verkauft. Mit dem düse ich herum, seit ich meinen Führerschein habe. Wegen der ganzen Skisprung-Ausrüstung bin ich leider nur noch selten mit dem Zug unterwegs. Dabei dürfte ich dank meinem Papa gratis fahren.
Lesen Sie in der aktuellen SportWoche ein großes Portrait von Stefan Kraft. Warum er kein Fußballer wurde und wie er gemerkt hat, dass man mit wenig Gewicht nicht zum Erfolg kommt.
















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