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Österreichs W(eh)M
von Thomas Haider
Sechs Rennen, sechs Enttäuschungen: Für Österreich gleicht die Ski-WM in Schladming bislang einem mittleren sportlichen Desaster. Zwei Mal Bronze durch Niki Hosp und Romed Baumann jeweils in der Super-Kombi ist bislang die einzige Medaillen-Ausbeute. Und sonst? Drei vierte und viele hintere Plätze. Die Erklärungen dafür? Unterbrechungen wegen Stürzen, das Wetter, mehr als ein bissl Pech und dann natürlich der Hauptgrund: Der Druck.
Egal, mit wem man in der ÖSV-Mannschaft spricht, es gibt kein Gespräch in dem nicht irgendwann vom "großen Druck" die Rede ist. Klar, ist die Erwartungshaltung in der selbsternannten Ski-Nation Nummer 1 größer als in jedem anderen Teilnehmer-Land dieser WM. Aber so, wie dieses Wort in der letzten Woche inflationär gebraucht wurde und bei jeder Gelegenheit nervt es schon langsam. Es hat auch irgendwie den Anschein als würden einige die Erklärung „Druck" als Schutzschild und sogar als Ausrede verwenden - anstatt ihre eigenen Leistungen zu hinterfragen.
Aber, wenn dieser Druck schon nicht auszuhalten ist, was machen dann andere? Mit Verlaub, so wichtig der Skisport hierzulande ist, aber ich denke der Druck auf unsere Ski-Asse ist nichts im Vergleich anderen: Wie groß ist der Druck, der seit Jahren auf dem britischen Tennis-Star Andy Murray lastet, wenn er in Wimbledon aufschlägt - denn dort hat seit 1936 kein Brite mehr gewonnen. Oder, wie groß war erst der Druck der deutschen Fußball-Nationalmannschaft 2006 bei ihrer Heim-WM? Oder für die britischen Sportler bei Olympia im letzten Jahr? Oder wie groß wird erst jener auf die Brasilianer sein, bei ihrer Fußball-WM 2014? DAS ist Druck.
Abgesehen von dieser „Druck-Situation": Die Enttäuschung aufgrund der mageren Medaillenausbeute ist sicher verständlich, aber andererseits sollte man auch Realist genug sein. In keiner der bislang sechs ausgetragenen Disziplinen war, wenn man sich die Saison-Ergebnisse ansieht, einer aus dem ÖSV-Team der absolute Gold-Kandidat. Hannes Reichelt hat in der Saison zwar eine Abfahrt, aber noch keinen Super-G gewonnen, Klaus Kröll ist in der Saison überhaupt noch sieglos und Anna Fenninger hat überhaupt noch nie ein Speed-Rennen gewonnen - alle drei wurden aber in den Speed-Disziplinen als absolute Gold-Kandidaten gehandelt.
Tatsache ist aber: Aus einem Pool von, sagen wir etwa acht Läufern bzw. Läuferinnen, die in der jeweiligen Disziplin zu den Medaillenkandidaten zählten, gehörten die ÖSV-Stars zweifelsfrei zu den Mitfavoriten - mehr aber auch nicht. Und da ist eben alles möglich: Erster, Zweiter aber auch Vierter, oder eben auch aufgrund gewisser Umstände vielleicht nur Rang 8.
Warum es vor allem bei den Herren seit Jahren Probleme im Speed-Bereich gibt (seit 2007 ohne Medaille bei einem Großereignis), ist eine Frage. Aber auch international gibt es nicht die programmierten Ergebnisse: Svindal wurde in seiner Parade-Disziplin Super-G „nur" Dritter, Tina Maze holte in der Super-Kombi statt der programmierten Goldenen „nur" Silber und die US-Speed-Damen gingen in der Abfahrt, wo sie heuer schon acht Podestplätze durch vier Läuferinnen einfuhren, leer aus.
Der einzige im ÖSV-Tross, der wirklich zu den Gold-Kandidaten zählt, greift erst ins Geschehen ein: Marcel Hirscher. Seine bisherigen Saison-Ergebnisse: Sieben Slaloms, immer auf dem Podium, davon vier Mal als Sieger. Fünf Riesentorläufe, vier Mal auf dem Podium, ein Mal als Sieger. Wenn einer von Druck reden kann, dann er.








Thomas Haider


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