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Eine Renaissance für Barca
von Fabian Zerche
Kein Verein prägte den Klubfußball in der letzten Dekade so sehr wie der FC Barcelona. Offensiv-Verteidigen, Handballspielen rund um den Strafraum des Gegners und Tiki-Taka in Reinkultur. Jahrelang fanden Mannschaften weder Mittel noch Weg, den Barca-Express zu stoppen. Die Zeiten haben sich geändert - zumindest auf internationaler Ebene. Die beiden Halbfinal-Partien 2010 gegen Inter Mailand zeigten auf, wie es gehen kann. Jose Mourinho als Pionier gegen die Vorreiter, quasi.
Nachahmer gab es in Folge viele. Chelsea setzte sich durch - mit einem Jahrhundertglück der besonderen Sorte. Hier von purem Kalkül zu sprechen, ist gewagt. Aber was machten diese Mannschaften, um Barca zu stoppen? Einfach gesagt: Mit Mann und Maus verteidigen. Spieler hinter den Ball bekommen. Mit dem ganzen Mannschaftskomplex die ersten 2/3 des Spielfelds zustellen, Beine zwischen Barcelonas Kombinationen bekommen, mit taktischen Fouls den Spielfluss brechen. Unermüdlich gegen das Spiels des Gegners arbeiten, bis die Konzentration sinkt. Und dann zuschlagen.
Genau das machte Milan Mittwochabend und zwang Barcelona damit, horizontal zu spielen. Fast kein Pass kam in der Vertikale an, Lionel Messi kam nicht zu einem Torschuss. Damit war Barcelona früher auch konfrontiert. Und wenn man auch damals - selten aber doch - scheiterte, dann zumindest mit einer Vielzahl vergebener Torchancen. Hierbei hat sich jedoch etwas zu Pep Guardiolas Zeiten geändert. Seit Tito Vilanova und Jordi Roura an vorderster Front arbeiten, wirken die Passmuster nicht ganz so variabel, das Spiel abhängiger von individueller Stärke. Und: Gegen Gegner die kollektiv verteidigen einfallsloser als Monate zuvor. Etwas mehr als 20 Prozent Ballbesitz reichte Milan, um Barcelona zu kontrollieren.
"Schade, dass gegen uns niemand mehr normal spielt", schrieb ein Barcelona-Fan nach der 2:0-Pleite gegen Milan nieder. Doch so ist der Fußball. "Als Arrigo Sacchi in den 80er-Jahren die Viererkette mit Raumdeckung im großen Stil eingeführt hat, dann war das einfach die richtige Antwort auf die damalige Spielweise aller anderen Mannschaften. Heute schaut man sich um, was für Ressourcen da sind. Da sind alle Spielarten möglich. In den 70er-Jahren waren Manndecker üblich. Ich glaube es wird nicht lange dauern, bis das wieder kommt", erklärte Alfred Tatar unlängst im sport10.at-Interview. Das bekam Messi zu spüren und darauf muss sich Barcelona nun einstellen.
Celtic Glasgow stellte die Katalanen in zwei Spielen vor massive Probleme und entführte fast vier Punkte. Jordi Alba in Minute 95 sei dank "nur" drei. Dem nicht genug: Auch Benfica machte die Räume zu und holte im Camp Nou einen Punkt. Jetzt die Milan-Niederlage. Die gegnerischen Mannschaften werden sich weiter auf das System Barcelona einstellen. Lange genug hat es gedauert, nun scheint die Zeit gekommen. Sollte sich die Blaugrana im Achtelfinale tatsächlich noch durchsetzen, droht mit dem FC Bayern eine Mannschaft, die das Verschieben von Mannschaftsteilen in Perfektion beherrscht. Binnen Sekunden überbrücken zehn Münchner kollektiv 70 Meter Spielfeld.
Auch für den FC Barcelona wird der Moment kommen, sich neu zu erfinden. Es geht nicht um eine komplette System-Renaissance - sondern um neue Varianten, Optionen für den Fall der Fälle. Bei nur einer La-Liga-Niederlage ist das Kritik auf hohem Niveau. Keine Frage. Doch die Konkurrenz schläft nicht und es wird auf internationalem Parkett weniger passiv gespielt, wie auf gut 15 Plätzen in Spanien. Ob Tito Vilanova der Richtige ist, um dem Barca-Spiel eine neue Komponente zu vermitteln, wird sich zeigen. Aber wenn es einem Verein, gesegnet mit so viel Potential und Intelligenz, zuzutrauen ist, dann wohl dem FC Barcelona.








Fabian Zerche


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