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Bardals Schweigen ist Gold
von Christoph König
Er ist die norwegische Version von Janne Ahonen. Der Auftritt von Anders Bardal bei der Pressekonferenz nach seinem Flug zum Normalschanzentitel in Val di Fiemme hätte den alten finnischen Schweiger stolz gemacht. Ein Kunststück, wer nach dem größten Triumph seiner Karriere, so wenige Worte ausspuckt. Perfect Day! Perfect Conditions! Mehr konnten die Anwesenden inhaltlich nicht aus ihm herausquetschen. Vorschau auf das Mixed-Teamspringen gefällig? We have a strong team. Danke, wiederschauen! Kann ja auch niemand erwarten, dass man Emotionen zeigt, wenn man nach einer langen Karriere mit 30 Jahren zur ersten Medaille bei einer WM segelt und zwar gleich zur Goldenen.
Und dennoch hatte der Verbalkünstler aus dem hohen Norden die Lacher auf seiner Seite, als Gregor Schlierenzauer auf cool ein Foto von ihm schoss, entgegnete er ihm laut ein herzliches "Seeeerwas!" Weniger wortkarg gab sich sein Cheftrainer Alex Stöckl. Der Tiroler weiß, dass er seinen Landsleuten mit dem Wegschnappen der Goldenen den nächsten Nadelstich versetzt hat. Lauscht man alternierend seinen Aussagen und denen von Alex Pointner, man könnte es auf Anhieb zu einem Schlagabtausch zusammenstoppeln.
"Die Norweger sind uns in die Gestreckte gelaufen", meinte Pointner nachdem Schlierenzauer in Innsbruck den vorentscheidenden Punch gegen Jacobsen für seinen Tourneesieg landete. "Es ist für den Sprungsport gut, dass nicht immer die gleichen oben stehen", sagt Stöckl nach Bardals Goldmedaille. In der SportWoche betonte er außerdem, in seiner Mannschaft herrsche mehr Teamgeist als bei den Österreichern. Für Pointner, der den Mannschaftsgedanken immer in den Vordergrund rückte, ein Affront. Ganz unrecht hat er damit freilich nicht. Scheinen bei den Jumpern die Ich-AGs in Zeiten, wo fast jeder Springer einen Individualcoach hat und so mancher Star von zwei bis drei PR-Arbeitern flankiert wird, immer mehr in den Vordergrund zu treten.
Und Stöckl findet, dass sich das ÖSV-Team mit der mehrmaligen Anlaufverkürzung vor Schlierenzauer verspekuliert hat. "Die Verhältnisse bei Gregor waren gut. Er hat schon gezeigt, dass er weite Sprünge stehen kann. Ich hatte nicht das Gefühl, dass bei ihm zu viel Anlauf war, hätte ihn vielleicht ohne Verkürzung springen lassen." Schlierenzauer hingegen stellte sich sofort hinter die Entscheidung seines Trainers: "Sie war richtig. Im zweiten Durchgang wäre es fast aufgegangen."
Aber leider eben nur fast. Deshalb freute sich am Ende der ruhige Norweger und verhielt sich dabei ganz gentleman-like: Genießen und Schweigen.








Christoph König


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