sportmagazin
sportmagazin
sportwoche
toptimes

Loggen Sie sich bitte ein!

Christoph König

04.01.2013
16:49

Die Coolness im Hexenkessel

von Christoph König

Gregor Schlierenzauer macht Druck nur noch besser.

 

Dieser Mann hat Nerven. Die gesamten Hoffnungen einer Skisprungnation lasteten heute auf den schmalen Schultern von Gregor Schlierenzauer. Österreichs letzter Mohikaner im Kampf um den Gesamtsieg erinnerte mit seiner Coolness mit der er im ausverkauften Hexenkessel Bergisel zum Sieg und zur Tourneeführung flog an "Mr. Icecold" Janne Ahonen. Nicht einmal die Aufregung um die Materialtricks der Norweger brachten ihn aus der Spur, nein, man hatte den Eindruck es spornte den Mann, der am Tag nach Bischofshofen 23 wird, nur noch extra an.

Ausgerechnet der routiniertere Anders Jacobsen, der Tourneespezialist schlechthin (4 seiner 8 Weltcupsiege flog er bei einem Tourneespringen ein), zeigte Nerven, verpasste den Absprung und hat nun nur noch Außenseiterchancen auf den goldenen Adler, den der Gesamtsieger heuer erstmals überreicht bekommt. Dahin war die Ruhe, die der 27-Jährige noch beim Medientermin am 2. Jänner ausstrahlte. Da amüsierte ihn noch die ganze Aufregung über sein neues Schuhsystem, da wirkte er nach seiner einjährigen Karrierepause viel reifer, als das Bürscherl, das 2007 zur Überraschung aller den Gesamtsieg einstreifte. Zwei Tage später war die Coolness mit der er vor der Kältekammer für Fotos posierte schon wieder weg.

Dabei war es gerade bei der Tournee immer wieder Schlierenzauer, den im entscheidenden Moment die Nerven oder das Glück verließen. Die Lässigkeit mit der er sich als Wunderkind noch in der Öffentlichkeit präsentierte, sie wirkte manchmal etwas aufgesetzt. Die Tränen, die er nach Niederlagen vergoss zeigten, dass unter der coolen Schale ein Sensibelchen steckte.

Doch mit dem Gewinn der letzten Tournee scheint der Knoten geplatzt. Inzwischen hat es eher den Eindruck als würde der Stubaitaler gerade am Tag X immer über sich hinauswachsen können. Das zeigte er besonders bei seinem WM-Titel in Oslo 2011 oder bei seiner Skiflug-WM-Goldenen in Oberstdorf, wo es Martin Koch wie Jacobsen in Innsbruck erging: Er verpasste den Absprung und fiel hinter Schlierenzauer zurück. Die Fähigkeit im entscheidenden Moment immer die Kante genau zu erwischen, hat der 44fache Weltcupsieger mit jenem Mann gemein, dessen unfassbaren Siegrekord (46) er schon beinahe ausgelöscht hat: Matti Nykänen.

  1. Heuerte im Jahr 2000 bei der SportWoche an und ließ dafür im letzten Moment ein Praktikum bei Radio Energy sausen

  2. Genießt seine Rolle als Redaktions-Chamäleon: Im Sommer grün (Fußball), im Winter blau (Skispringen, Snowboard, Kombi)

  3. Ist einen Wien-Marathon gelaufen (kam mit fürchterlichen Schmerzen ins Ziel)

  4. Entdeckte 1986 seine Leidenschaft für Sportübertragungen während der Fußball-WM in Mexiko

  5. Hat nur das Panini-Album von 1986 fertiggestellt, findet es aber nicht mehr

  6. Ist der einzige Wiener bei der SportWoche, obwohl die SportWoche ihren Sitz in Wien hat

  7. Schloss Publizistik und Geschichte-Studium neben der Arbeit ab und das in nur 10 Jahren :-)

  8. Hat ein Originalautogramm von Kazuyoshi Funaki, das er bis heute nicht lesen kann

  9. Bewarb sich bei der SportWoche, indem er seinen Kopf in ein Superman-Bild montierte. Text: "Ich fliege zu euch, setzt mich ein, auch wenn es nur für Kopierarbeiten ist."

  10. Scheitert täglich beim Versuch seine Freundin für Sportberichte zu begeistern, nicht einmal seine Diplomarbeit "Qualität in der Sportzeitschrift" half dabei