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Wenger Talsohle angelangt

Wenger an der Talsohle angelangt

Die Aussichten für Arsenal-Coach Arsene Wenger sind denkbar schlecht: Sein Team wird heuer im siebten Jahr in Folge ohne Titel bleiben und muss sogar um einen CL-Platz bangen.

International |  20.02.2012 | 10:23 |  Christoph Regger

Arsene Wenger gilt als einer der größten Trainer-Fachmänner weltweit. Er hat eine klare Vorstellung von erfolgreichen und schönen Fußball und verpasste Arsenal in den letzten Jahren einen unverkennbaren Stil, der eigentlich so gar nicht nach England passt. Mit teils zauberhaftem Flanken- und Kurzpassspiel etablierten sich die Gunners in seiner mittlerweile 16-jährigen Ära in den Top-Vier des englischen Kicks. Doch nun droht der Absturz aus dieser elitären Klasse.

Wieder kein Titel für Arsenal

Den letzten Meistertitel von insgesamt 13 holten die Kanoniere im Jahr 2004, der letzte FA-Cup-Sieg datiert aus dem Jahr 2005. Seitdem ist Arsenal ohne Titel, und auch in der siebten Saison nach der letzten Trophäe sieht es nicht danach aus, als würde sich das bald ändern. In der Meisterschaft liegen die Roten bereits 17 Punkte hinter Leader Manchester City, aus League- und FA-Cup (0:2 am Samstag bei Sunderland) ist man bereits ausgeschieden.

Arsene ist die Lösung. Die Spieler müssen in den Spiegel sehen und sich selbst hinterfragen.
Emmanuel Petit

International lief's auch nicht viel besser. Im Gegensatz zu City und United schaffte Arsenal zwar den Aufstieg in die K.o.-Phase der Champions League, doch dort ist das Aus nach dem 0:4 im Hinspiel beim AC Milan praktisch schon besiegelt. Dabei war es nicht einmal die Niederlage, die besonders schmerzte, sondern die Art und Weise, wie sie zustande kam.

Petit ortet den "schlimmsten Moment"

Angesichts des sportlichen Bankrotts kommt auch Ex-Spieler Emmanuel Petit ins Grübeln. "Das ist der schlimmste Moment von Arsene Wengers Laufbahn bei Arsenal und der schlimmste in der vergangenen Dekade", diktierte der Franzose der BBC.

Mittlerweile scheint nicht einmal mehr Wenger ganz unumstritten zu sein. Laut britischen Quellen könnte der Franzose Arsenal schon im Sommer verlassen. Damit hätte seine Ära nach drei Meistertiteln und vier FA-Cup-Siegen ein Ende. Für Petit kommt das allerdings nicht in Frage. Er stärkt seinem ehemaligen Coach den Rücken. Ein Abschied im Sommer wäre "der größte Fehler", so Wengers Landsmann. "Arsene ist die Lösung. Die Spieler müssen in den Spiegel sehen und sich selbst hinterfragen. Sie spielen, als wüssten sie nicht, worum es geht und was sie am Platz tun müssen. Mental sind sie sehr schwach", urteilt Petit.

Paradigmenwechsel gefordert

Er selbst war Teil der Mannschaft, mit der Wenger 1997 FA-Cup und Meistertitel holte. Seit damals hat sich bei Arsenal viel getan. Statt etablierten und erfahrenen Spielern setzte Wenger auf junge und hungrige, und war damit zunächst erfolgreich. Mittlerweile hat sich das ins Gegenteil gekehrt. "In den letzten fünf Jahren waren sie knapp dran, einen Titel zu holen", so Petit. "Aber sie haben es nicht geschafft und deswegen muss Arsenal seine Grundsätze ändern", so Petit.

REUTERS/Ian Waldie Lässt mit Kritik aufhorchen: Emmanuel Petit.Lässt mit Kritik aufhorchen: Emmanuel Petit.
Sein Ex-Klub brauche Spieler mit Erfahrung und Charakter: "Sie brauchen Leader. Aber wenn man nicht in der Champions League spielt, kann man die nicht verpflichten." Stattdessen ließ sich Arsenal im Winter-Transferfenster zu Schnellschüssen hinreißen: "Wie sie das geregelt haben war furchtbar. Alles ging so schnell und ohne Nachdenken."

Wenger will unter die Top-Vier

Harte Worte also vom Ex-Spieler, der sich einen Wandel der Philosophie erhofft. Davon war nach der FA-Cup-Pleite bei Sunderland natürlich noch nichts zu hören. Wenger suchte vielmehr nach Ausreden. "Dass wir verloren haben basierte hauptsächlich darauf, dass wir gegen Milan am Mittwoch viel geben und danach noch reisen mussten. Das macht es für jedes Team auf der Welt schwierig", meinte der Coach. "Außerdem haben wir viele Ausfälle, darunter große Spieler."

Gleichzeitig schraubte er die Erwartungen zurück. Dass Arsenal heuer im siebten Jahr in Folge ohne Titel bleibt, sei nicht so schlimm. Es ginge darum, in die Champions League zu kommen. "Unter den Top-Vier abzuschließen wäre eine Trophäe", betonte Wenger. "Und das ist immer noch möglich. Ich glaube, unter die besten Vier zu kommen ist wesentlich für uns. Darauf müssen wir uns fokussieren."



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