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Nicolas Anelka

Anelka: Der komplizierte Wandervogel

Nicolas Anelka steht für Megatransfers, Dispute mit Trainern, ein kompliziertes Verhältnis zu Journalisten und Tore. Die soll er nun für Juventus erzielen.

International |  02.02.2013 | 14:00 |  Fabian Zerche

Sonnenbrille auf, Blitzlichtgewitter, ein paar Fotos mit kreischenden Teenies, ein Manga-Portrait unterzeichnen und schnell durch die Hintertüre. Vor einem Jahr wechselte Nicolas Sébastien Anelka zu Shanghai Shenhua und ließ sich mit 10 Millionen Euro im Jahr fürstlich bezahlen. Ein Jahressalär ist dem Pariser nun genug: Anelka wechselt zu Juventus Turin. sport10.at blickt auf seine extravagante Karriere. Eine Hommage. Oder zumindest so etwas Ähnliches.

Rekordtransfers und Trainingsboykott

Anelkas Profikarriere begann bei Paris Saint Germain. Doch bevor der Stürmer in der Hauptstadt aufzeigen konnte, warf Arsenal-Coach Arsene Wenger sein Netz aus und holte den damals 17-Jährigen nach London. Nach einer schweren Verletzung der Arsenal-Legende Ian Wright sicherte sich Anelka einen Stammplatz und holte mit Arsenal die Meisterschaft. Doch Anelkas astronomische Gehaltsforderung brachte die Fans gegen ihn auf.

"Le Sulk", der Griesgram, wurde der Franzose von den Die-Hard-Gooners gerufen. Wutentbrannt drängte Anelka auf einen Wechsel und machte damit einem gewissen Thierry Henry die Bühne frei. Aber das ist eine andere Geschichte. 1999 ließ sich Real Madrid die Dienste von Anelka 35 Millionen Euro  kosten. Damals madrilenischer Rekordtransfer. Doch erneut verspielte Anelka die Gunst der Fans, Mitspieler und schlussendlich Vincente del Bosques.

Nachdem Anelka das Training verweigerte, wurde er eineinhalb Monate suspendiert. Dennoch fand Real einen potenten Abnehmer. Anelkas Heimatklub Paris Saint Germain holte den verlorenen Sohn für 34,5 Millionen Euro zurück. Diesmal brachte er PSG-Coach Luis Fernandez zur Verzweiflung. Der damals 23-jährige Anelka wurde nach Liverpool verliehen. An der Merseyside entschied man sich gegen eine permanente Verpflichtung.

Die guten Jahre

Paris Saint Germain fand eine Saison später mit Manchester City einen Abnehmer. 20 Millionen Euro investierten die "Skyblues" in Anelka. Klubrekord. Eine gute Investition, wie sich herausstellen sollte. Drei Jahre in Folge war der Ausnahmestürmer Citys Topscorer. Doch scheinbar brauchte Anelka etwas Neues. Und das fast im Jahrestakt. Anelka wechselte zu Fenerbahce um nach einem Jahr nach England zurückzukehren.

Es folgten zwei Jahre bei Bolton, bis Anelka wohl seine erfolgreichste Zeit hatte: Zurück in London, beim FC Chelsea. Mittlerweile hatte Anelka bereits ein Transfervolumen von 134 Millionen Euro umgesetzt. Anelka bildete mit Didier Drogba ein kongeniales Duo und schien an der Stamford Bridge sein Zuhause gefunden zu haben. "Meine Mentalität hat sich geändert. Jetzt bin ich erwachsen", sagte Anelka. Doch es wäre nicht Nicolas Anelka, würde sein diffiziles Verhältnis zu Trainern den Frieden stören.

Anelka sprengt die Nationalmannschaft

Die Weltmeisterschaft in Südafrika hielt den größten Skandal der französischen Fußballgeschichte bereit. Spieler meuterten, Coach Raymond Domenech verzweifelte. Die "Équipe Tricolore" schied frühzeitig aus. Jahre nach dem Skandal enthüllte Domenech brisante Details. So bezeichnet er Nicolas Anelka als "selbstsüchtigen Dummkopf", der sich "nur um sich selbst kümmert".

Anelka weigerte sich, die taktischen Vorgaben seines Trainers anzunehmen und blieb vorne stehen. Zur Halbzeit nahm Domenech seinen Startstürmer aus dem Spiel. "F*** dich in den Arsch, du Hurensohn", musste sich Domenech anhören. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy befand den Vorfall als "inakzeptabel". Anelkas Teamkarriere war vorbei.

Der Ewige Kampf mit der Presse

Vorbei war Anelkas Karriere bald auch bei Chelsea. Doch nun waren nicht seine Eskapaden schuld, sondern Andre Villas-Boas. Der Portugiese unterzog den FC Chelsea einer Verjüngungskur und steckte Anelka zum Nachwuchs. Zudem entzog Villas-Boas Anelka das Recht, am Teamparkplatz zu parken. Zeit aufzubrechen, Nicolas.

Seine bislang letzte Station stieß medial auf Unverständnis. Für 10 Millionen Euro spielte Anelka in Shanghai. Und weil Anelka noch nie so wie seine Kollegen war, ließ er sich zu einem medialen Kahlschlag hinreißen. "Ein Mann ohne Feinde ist ein Mann ohne Werte. Meine Karriere war ein ständiger Kampf gegen die Presse." Über sein hohes Gehalt sagte er: "Wenn Sie mein hohes Gehalt nicht verstehen, kapieren Sie das Fußballgeschäft einfach nicht."

Um China zu erkunden, wechselte Anelka nach Shanghai. 12 Monate später kehrt der Wandervogel zurück nach Europa. Juventus-Turin-Trainer Antonio Conte nimmt sich nun des 33-Jährigen an und freut sich über weitere Optionen im Angriff. Die Juve-Fans hoffen, dass der extravagante Stürmer nicht nur ein neues Abenteuer sucht. Das kolportierte Jahresgehalt von lediglich 1,2 Millionen Euro spricht für Anelka. Und die nächste Episode wird bald folgen.