Langjährige Sturm-Trainer gehen fast schon traditionell mit lauten Nebengeräuschen und viel Aufregung von Bord. Nach Ivica Osim musste auch Franco Foda den Verein verlassen. Ganz hat Foda seinen Abgang noch nicht vergessen. "Und das werde ich wohl auch nicht", wie der 46-Jährige sagt.
sport10.at: Nach der ersten Saisonhälfte stehen Sie mit Kaiserlautern auf Relegationsplatz drei. Wie lautet ihr Zwischenresümee?
Franco Foda: Kaiserslautern ist vergangene Saison mit wenigen Punkten abgestiegen. Wir haben uns große Ziele gesetzt und sind auch gut in die Saison gestartet. Wir waren die ersten 16 Spiele ungeschlagen - von allen Teams in Deutschland am längsten. Dabei sind viele junge Spieler wie Hendrick Zuck oder Dominique Heintz regelmäßig zum Einsatz gekommen. Einige haben sich sehr gut entwickelt.
Gegen Ende der ersten Saisonhälfte hatten wir mit Verletzungen zu kämpfen und sind außer Rhythmus geraten. Aber wir sind noch immer auf Kurs, wollen uns vorne etablieren und schlussendlich aufsteigen. Da sind wir in einer guten Ausgangsposition, aber wir wissen natürlich, wie schwierig die Saison wird.
Wie erleben Sie als Trainer den Sprung von Österreich nach Deutschland?
Die Unterschiede sind nicht so gravierend. An meiner Trainingsarbeit hat sich nichts verändert. Ich versuche den selben Fußball hier durchzusetzen, den ich auch in Graz praktizieren lies. Die großen Unterschiede liegen sicher im medialen Fokus, der viel größer ist als in Österreich, sowie der Infrastruktur.
Franco Foda
Die letzten Ergebnisse verliefen mit drei Niederlagen nicht nach Wunsch. Spüren Sie, dass es hier schneller unruhig wird?
Nein, das würde ich nicht unbedingt sagen. Den Druck, gewinnen zu müssen, kannte ich aus Graz auch. Aber gerade in den letzten drei Spielen haben wir unsere Aufgaben nicht erledigt. Wir haben jetzt noch 15 Spiele vor uns, in denen wir viele Punkte holen können. Das Ziel ist mit dem Aufstieg sehr klar definiert.
Franco Foda
Gut. Dass David Alaba, Martin Harnik, Sebastian Prödl und vielen andere Legionäre wirklich gute Leistungen in Deutschland zeigen, steigert die Reputation. Österreichische Legionäre gab es in der Vergangenheit öfters. Diese waren aber meistens nur B-Spieler und konnten sich schlussendlich nicht durchsetzen. Das hat sich massiv geändert.
Kann die österreichische Bundesliga dem direkten Vergleich mit der 2. Bundesliga standhalten?
Ich bin kein Trainer, der Vergleiche aufstellt. Aber: Die österreichische Liga wird unterschätzt und unterschätzt sich auch selbst. Sich immer klein zu machen, funktioniert nicht. Dass viele Österreicher in Deutschland Fuß gefasst haben, zeigt doch, dass die Liga nicht so schlecht sein kann.
Franco Foda
Der österreichische Markt wird auch genau beobachtet. Spieler wie Ademi, der von Altach zu Braunschweig gewechselt ist, oder Christopher Drazan, den ich von Rapid geholt habe, kommen nicht von ungefähr. Gravierende Unterschiede gibt es aber infrastrukturell. Und das Zuschauerinteresse ist selbst in der zweiten deutschen Liga enorm.
Sie sprechen Christopher Drazan an. Was erwarten Sie sich von ihm?
Er trainiert momentan nicht mit, da er krank ist. Er sollte jedoch bald wieder dabei sein. Im ersten Testspiel hat er schon gezeigt, was er drauf hat. Christopher Drazan ist schnell und kann sehr gute Flanken schlagen. Genau das haben wir noch gesucht. Aber natürlich merkt man, dass er sich umstellen und anpassen muss.
Foda über Drazan
Ihren Leihspieler Sukuta-Pasu werden Sie wohl genauer beobachten. Wie ist Ihr Eindruck bisher?
Das Problem ist, dass Sukuta-Pasu an Sturm verliehen wurde, bevor ich mein Amt als Kaiserslautern-Trainer angetreten habe. Ich konnte mir nicht wirklich ein Bild machen, auch wenn ich ihn aus den Jugendauswahlen der deutschen Nationalmannschaft kannte. In Graz spielt er bislang gut und zeigt, dass er Qualität hat. Nach seiner Leihe wird er nach Kaiserslautern zurückkehren, um sich noch einmal beweisen zu können. Ich plane mit ihm.
Foda über Sukuta-Pasu
Es besteht also keine Chance, dass Sukuta-Pasu auch nächste Saison für Sturm spielt?
Das ist schwer zu sagen. Fakt ist, dass Sukuta-Pasu bis 2015 bei uns unter Vertrag steht. Natürlich, wenn der Spieler unglücklich wäre, nicht zu uns möchte oder mit der Situation unzufrieden ist, muss eine Lösung zum Wohle des Spielers gefunden werden. Vielleicht sind auch andere Vereine interessiert. (überlegt) Was heißt vielleicht: Ich weiß sogar konkret, dass auch andere Vereine Sukuta-Pasu gerne verpflichten würden.
Mario Kienzl meinte einmal über Sie, dass sie der "Steve Jobs von Graz wären". Mit welchen Gefühlen denken Sie an Graz zurück?
Ich hatte eine wunderschöne Zeit. Mein großes Glück war es, dass ich nach meinem Karriereende direkt als Jugendtrainer einsteigen konnte. Nach meiner Beförderung zum Cheftrainer habe ich eigentlich alles erreicht. Meister, Cup-Sieger, fast jährlich im Europacup. Nur den Einzug in die Champions League haben wir leider knapp verpasst. Wir hätten uns auch im letzten Jahr noch für die Europa League qualifiziert, davon bin ich überzeugt. Wir waren in Reichweite.
Franco Foda
Denken sie noch oft an ihren Abgang?
Ja, natürlich. Solch emotionale Vorfälle kann man nicht einfach aus dem Gedächtnis streichen. Es sind Dinge vorgefallen, die auch an einzelnen Personen gehängt sind. So wie es negative Dinge gab, hat es auch viele schöne Momente gegeben, die ich nicht vergessen werde. Ich habe noch Kontakt zu einigen Spielern. Das sagt viel aus.
Wie erleben sie die momentane Entwicklung des SK Sturm?
Zu Beginn gab es ein Hin und Her, viele Positionen wurden gewechselt und Mitarbeiter ausgetauscht. Jetzt sollte langsam Ruhe einkehren. Sportlich muss das klare Ziel sein, unter die ersten Drei zu kommen. Der Kader ist gleichwertig mit jener der Austria und Rapid. Einzig Salzburg sehe ich klar stärker als die übrigen Bundesliga-Mannschaften. Da ist besonders viel Qualität vorhanden.
Mit der Austria hatten sie auch Gespräche geführt. Hat, retrospektiv betrachtet, beim Sprung nach Deutschland auch das Timing gepasst?
Ja, das denke ich schon. Ich musste schon öfters deutschen Vereinen absagen. Zu diesem Zeitpunkt war ich mit Sturm noch nicht am Ziel, hatte keinen Meistertitel oder Cup-Sieg. Nach diesen Erfolgen, die ich unbedingt noch erreichen wollte, war ich bereit. Alleine zweimal musste ich Kaiserslautern absagen. Ein drittes Mal war einfach nicht möglich.
Franco Foda
Aber die Austria ist ein großer Klub in Österreich. Ich hatte ein Angebot der Austria und sehr offene und ehrliche Gespräche mit Thomas Parits und Markus Kraetschmar. Ein Top-Mann. Der Klub ist sehr professionell geführt. Ich kann auch Peter Stöger nur gratulieren. Er leistet eine super Arbeit und die Austria steht zu Recht oben.








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