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Viele Fragen nach dem Sensations-Coup

Wieso entschied sich Guardiola für die Bayern? Wie harmoniert er mit den Bossen? Welcher Star folgt ihm? Wer muss zittern? sport10.at suchte Antworten.

International |  18.01.2013 | 14:05 |  Kurt Vierthaler

Zwei Tage nach dem auch offiziell bekannt wurde, dass Pep Guardiola zur Saison 2013/14 den FC Bayern übernimmt, sind die deutschen Medien immer noch voll von Meldungen über den Sensationscoup.

Experten, Weggefährten, Funktionäre, Spieler - fast jeder darf seinen Senf dazugeben und fast alle loben den deutschen Rekordmeister für die Meisterleistung, einen der renommiertesten und begehrtesten Trainer der Welt an die Isar gelotst zu haben. Kritische Stimmen sind Mangelware.

Viele offene Fragen

Das künftige Engagement von Guardiola wirft allerdings auch einige Fragen auf. Kann der Katalane woanders ähnlich erfolgreich sein wie bei "seinem" FC Barcelona? Wie meistert er die Sprachbarriere? Wen nimmt er mit nach München? Welche Stars könnten noch kommen? Harmoniert er mit den mächtigen Verantwortlichen?

sport10.at hat sich auf die Suche nach Antworten begeben.

  • Wie meistert Guardiola die Sprachbarriere?

"Es ist nach wie vor ein wichtiges Kriterium, dass der neue Trainer Deutsch spricht", stellte Uli Hoeneß 2009 klar, als ein Nachfolger für den gescheiterten Jürgen Klinsmann gesucht wurde. Gekommen ist schließlich der Niederländer Louis van Gaal, der zwar ein drolliges, aber letztlich doch verständliches Deutsch sprach. Guardiola hingegen muss sich in dieser Hinsicht noch beweisen, wenngleich Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge dahingehend in der Bild keine Probleme sieht: "Er wird es jetzt sehr, sehr fleißig lernen. Das wird ihm leichtfallen, da er sprachbegabt ist und neben seiner Muttersprache schon Englisch und Italienisch fließend spricht." Die Sprachbarriere wird also für den Kosmopolit Guardiola, wenn überhaupt, nur am Anfang eine sein.

Wir spielen ihn uns so oft wie möglich gegenseitig zu, und dann schauen wir mal, ob wir ein Tor erzielen können.
Guardiola über die Barca-Philosophie

  • Wie passt Guardiolas Philosophie zu den Bayern?

In einem Interview mit "fifa.com", das vor dem Bekanntwerden seines Wechsels geführt wurde, deutete der 41-Jährige an, dass seine Philosophie auf jeden Verein anwendbar sei. "Es geht darum, Spaß zu haben, und dass die Spieler versuchen, das umzusetzen, was deiner Meinung nach am besten ist, um die Spiele zu gewinnen. Es geht darum, Spaß am Spiel zu haben." Guardiola erklärte auch, dass das "System Barca" in Wirklichkeit ganz einfach ist. "Wir haben den Ball, und jetzt wollen wir mal sehen, ob sie es schaffen, ihn uns wieder abzunehmen. Wir spielen ihn uns so oft wie möglich gegenseitig zu, und dann schauen wir mal, ob wir ein Tor erzielen können." Eine ähnliche Spielweise praktiziert der FC Bayern mittlerweile auch unter Noch-Trainer Jupp Heynckes, die Ballbesitz-Statistiken sind ebenfalls beeindruckend. Guardiola wird den eingeschlagenen Weg also weiter vertiefen und versuchen, das Bayern-Spiel zu perfektionieren.

  • Warum entschied sich Guardiola ausgerechnet für Bayern?

Der langjährige Erfolgstrainer des FC Barcelona konnte es sich aussuchen: Manchester City und United, Chelsea, der AC Milan, ja selbst brasilianischer Teamchef hätte er werden können. Guardiola aber wählte schließlich München. "Er und seine Berater haben sich über alle Interessenten ausführlich informiert. Es gibt Werte beim FC Bayern wie Tradition, Kontinuität, Seriosität - und dass der Fußball bei uns total im Mittelpunkt steht. Diese Werte haben dazu geführt, dass er sich für uns entschieden hat", so Rummenigge in der Bild. Geld dürfte eher sekundär gewesen sein, ansonsten hätte sich Guardiola wohl für die zahlungskräftigere Premier League entschieden.

  • Wie kommt Guardiola im namhaften Bayern-Umfeld zurecht?

Die Führungsriege der Bayern hat es in sich: Uli Hoeneß, der wortgewaltige und einflussreiche Präsident; Karl-Heinz Rummenigge, der toughe und spitzfindige Vorstandsvorsitzende; Matthias Sammer, der omnipräsente und nie zufriedene Sportvorstand. Guardiola wird sich, obwohl absoluter Wunschkandidat, anfangs sicher unterordnen müssen. Der Katalane ist aber smart genug, um nicht gleich von Beginn an auf Konfrontationskurs zu gehen. Wie so etwas enden kann, hat das Beispiel Louis van Gaal gezeigt. "Ich denke, es wird sehr gut und harmonisch funktionieren", sagt Rummenigge, "wir sind ja alle Getriebene beim FC Bayern, jetzt bekommen wir noch einen weiteren hinzu."

  • Welches System lässt Guardiola in München spielen?

Bei Barcelona ist das 4-3-3 quasi in Stein gemeißelt, wobei Guardiola zeitweise auch im 3-4-3 spielen ließ. Nach den Abgängen von Zlatan Ibrahimovic, Thierry Henry und Samuel Eto'o sowie der Verletzung von David Villa verzichtete der 41-Jährige dann ganz auf einen klassischen Mittelstürmer und stellte Superstar Lionel Messi als "falsche Neun" ins Zentrum. Ähnliches wäre auch in München denkbar, wo Guardiola vor allem in der Offensive genügend Alternativen hat. Derzeit agieren die Bayern im 4-2-3-1-System.

Er wird voraussichtlich zwei Co-Trainer mitbringen, aber er hat auch schon gesagt, dass er bereit ist, mit unseren aktuellen Leuten weiterzuarbeiten, wenn sie gut sind.
Rummenigge über Guardiolas Wünsche

  • Wen nimmt Guardiola nach München mit?

Mit einem neuen Trainer kommt meistens auch ein neues Trainerteam. Bei Barcelona arbeitete Guardiola lange mit Tito Vilanova zusammen, der schließlich auch sein Nachfolger wurde. Wer jetzt mit ihm nach München geht, ist selbstverständlich noch unklar. Rummenigge: "Er wird voraussichtlich zwei Co-Trainer mitbringen, aber er hat auch schon gesagt, dass er bereit ist, mit unseren aktuellen Leuten weiterzuarbeiten, wenn sie gut sind." Derzeit assistieren Jupp Heynckes Peter Hermann und Urgestein Hermann Gerland (seit 2001 im Verein). Zumindest Letzterer könnte dem künftigen Trainerstab angehören. Als Co-Trainer-Kandidaten geisterten zuletzt Ex-Real-Star Raul, Luis Enrique und Manel Estiarte durch die Medien.

  • Welche Stars könnten Guardiola nach München folgen?

Was läge näher, als über mögliche Neuzugänge, die Guardiola von Barca abwerben könnte, zu spekulieren. Potenzielle Kandidaten sind Medienberichten zufolge die Nachwuchs-Nationalspieler Thiago Alcantara (21) und Cristian Tello (22), auch Pedro (25) und David Villa (31) wurden ins Spiel gebracht. Ausgeschlossen scheint bis auf das Superstar-Trio Messi, Iniesta und Xavi zwar nichts zu sein, realistisch sind etwaige Tranfers aber auch nicht. Barca-Präsident Joan Laporta hat seinen ehemaligen Trainer indirekt schon "gewarnt", bei den "Blaugrana" zu wildern. Zuletzt wurde auch kolportiert, dass Neymar nach der WM 2014 bei den Bayern andocken könnte. Der brasilianische Jungstar soll ein großer Bewunderer von Guardiola sein. Sicher ist nur, dass die Spekulationen in den nächsten Monaten munter weitergehen werden.

  • Welche Stars müssen zittern?

Dass Guardiola auch vor großen Namen nicht zurückschreckt, hat er schon bei Barcelona bewiesen. Ronaldinho, Deco, Eto'o oder auch Ibrahimovic mussten gehen, weil sie leistungsmäßig oder charakterlich nicht die Ansprüche des 41-Jährigen erfüllten. Extrawürste oder Ego-Trips kann der Katalane gar nicht leiden, weshalb sich auch Superstars wie Franck Ribery und Arjen Robben nichts herausnehmen können. Sportlich könnte es auch für Mario Gomez und Mario Mandzukic eng werden, sollte Guardiola bei den Bayern künftig auf einen klassischen Mittelstürmer verzichten.