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Mancini Ferguson fuer Manchester

Mancini: Ein Ferguson für Manchester City

Auf den ersten Blick scheinen Alex Ferguson und Roberto Mancini auf der Trainerbank Welten zu trennen. Doch stimmt das? Eine Geschichte über krankhaften Ehrgeiz, den perfekten Dresscode und den Sieg.

International |  09.12.2012 | 11:41 |  Daniel Kendler

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Plötzlich nimmt Roberto Mancini den äußersten Rand seiner Coaching-Zone ein, mit einer typisch italienischen Handgeste erklärt er seinem Gegenüber, was er von ihm und seinen Ansichten hält. Auf der anderen Seite steht ein aufgebrachter Schotte namens Alex Ferguson, der seinen Kaugummi zwischen seinen Zähnen vor Wut zerdrückt.

Schauplatz: Das letzte Derby zu Manchester. Fast hätten die zwei Trainerkollegen neben den verbalen Nettigkeiten dabei auch Handfestes ausgeteilt. Das Spiel gewann damals City mit 1:0. Um die Welt gingen jedoch die Szenen der aufgebrachten Trainer. Denn was sie in diesem Moment einte und trennte: Ihr fast krankhafter Wille zu gewinnen. Am Sonntag hat dieses Gefühl wieder Hochkonjunktur. City empfängt United zum Spitzenspiel (14.30 Uhr, Anm.) zwischen den roten Tabellenführern und den hellblauen Verfolgern. Es ist ein Spiel welches die Coaches ob ihres Ehrgeizes fast auffrisst. Nur zugeben würden sie es nie. So ähnlich sind sich die Herren, die in der englischen Premier League von Manchester aus den Ton angeben.

Was sie vereint: Das gleiche Holz

(c) REUTERS

Dieser gewagte Vergleich kommt nicht von irgendwo her. Zum gleichen Schluss kommt auch Brian Kidd, der jetzt als Co-Trainer von Mancini bei City werkt und früher das Trikot von United trug. Er erlebte die beiden Protagonisten hautnah: "Sie sind aus dem gleichen Holz geschnitzt. Viele werden sich jetzt denken, das ist doch heiße Luft, aber ich habe sie beide aus nächster Nähe erlebt. Roberto ist ein echter Gewinner, er ist schon enttäucht wenn wir uns ein Gegentor einfangen. Er ist nie wirklich zufrieden." Dieses Winner-Gen ist es auch, dass Ferguson nach wie vor antreibt - trotz seiner 70 Jahre.

Was sie trennt: Ein echter Bastard

(c) REUTERS

Die Herangehensweise an die wirklich großen Erfolge sind bei beiden unterschiedlich. Hinter den Kulissen wird Mancini bei City als "besessen" bezeichnet. Dem Guardian liegt eine Aussage eines Spielers vor, der Mancini als "den härtesten Bastard, den du je getroffen hast" bezeichnet. Er sei kein Trainer, dem ein Spieler Eheprobleme oder ähnliches anvertrauen würde. Was der Italiener seinem Spieler mit auf den Weg geben würde? "Geh zum Eheberater." Die Unterstellung: Dem Sieg ist alles untergeordnet, Mancini nehme dabei keine Rücksicht und sei ein abgeklärter, kalter Mensch.

Ferguson kann ebenso aufbrausend sein (schlag nach bei David Beckham und dem Schuhwurf), doch man muss wohl eine solche Haltung an den Tag legen, wenn man als Motto ausgibt: "Gewinnen ist nicht alles, aber das Einzige was zählt." Jedoch kommt die menschliche Komponente bei ihm auch nach 26 Jahren an der Spitze eines so großen Klubs nicht zu kurz. Er kennt selbst die Putzfrau beim Vornamen. Auch in Sachen Spieler stellt er den Mensch vor das Können. ÖFB-U19 Teamchef Rupert Marko, der vor einigen Jahren bei Ferguson hospitierte, berichtet der SportWoche: "Einmal nahm er mich zur Seite und erklärte mir, dass der Charakter eines Spielers viel wichtiger ist als sein Können. Sobald du an seinem Charakter zweifelst, musst du ihn sofort loswerden."

Was sie vereint: Die Psychospielchen

(c) GEPA Pictures

Das Spiel am Sonntag hat für Ferguson bereits United gewonnen, für Mancini heißt der Sieger City. Ausplaudern würden sie ihre Gedanken trotzdem nicht. Regelmäßig vor den großen Duellen zwischen Ost (City) und West (United) streuen sich die beiden Rosen, heben den jeweils anderen in die Favoritenrolle, schieben den Druck weg und machen sich kleiner, als es United oder City je sein könnten. Die Psychospielchen der beiden sind auf der Insel längst zum Thema geworden. Die Zeitschrift GQ veröffentlichte vor dem letzten Aufeinandertreffen gleich einen Artikel, in denen die so zurückhaltenden Aussagen sarkastisch (und richtig?) gedeutet werden. Wenn Mancini etwa sagt: "Wenn wir gewinnen, sind sie dennoch der Favorit", meint er laut der Zeitschrift: "Wenn wir gewinnen, öffnet den Champagner."

Was sie trennt: Der Mensch dahinter

(C) REUTERS

Mancini tritt stets wie eine Fußballversion von George Clooney auf. Der Anzug und Mantel sitzen wie angegossen, ebenso der meist blaue Schal. Die Armbanduhr ist groß, das Stecktuch im Anzug sitzt perfekt. Kein Wunder, dass die Nobelkette Harvey Nichols auf dem Trainingsgelände von City einen mobilen Shop eingerichtet hat. Mancini ist auf Du und Du mit dem Oberkellner seines Lieblingslokals San Carlo Cicchetti in Manchester, wo er regelmäßig mit Manchesters Presse verkehrt.

Ferguson kann damit nur wenig anfangen. Seit einer gefühlten Ewigkeit trägt er im Stadion das gleiche Outfit. Das herausragende Accessoire ist dabei der malträtiere Kaugummi. Auch bei der Frisur wird man in den letzten 26 Jahren kaum Veränderungen wahrnehmen. Sein Interesse gilt dem Jazz, gutem Wein und Pferderennen. Die Eroberung des Fußballthrons ist und bleibt das einzige Bindeglied.

Wer will sie vereinen?

Doch wer sagt schon, dass die beiden überhaupt in Verbindung gebracht werden wollen? Nach der bitteren 1:6-Niederlage im letzten Jahr wurde Ferguson einige Tage später gefragt, ob er wisse, wie viele Trainer City in den Jahren seiner Regentschaft bei Manchester United verbraucht hätte? Ferguson wusste es nicht. 14 waren es, wie dem Schotten mittgeteilt wurde. Seine Antwort: "Ich wünschte, es wären 15." Denn damit wäre auch Mancini bereits Geschichte und der Sieg würde Ferguson gehören.