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Defensive Kompaktere

"In der Defensive bin ich der Kompaktere"

Michael Schimpelsberger erlebt bei Rapid schwierige Zeiten. Im Gespräch mit sport10.at spricht er über das Wiener Derby, unverschuldete Rückschläge und offensive Extraschichten.

Rapid |  08.08.2012 | 08:19 |  Florian Pertlik

Groß war die Vorfreude auf die neue Saison, ernüchternd die Stimmung nach der Kaderbekanntgabe für den Bundesliga-Auftakt gegen Wacker Innsbruck. Michael Schimpelsberger erlebt bei Rapid momentan die vielleicht schwierigsten Wochen seiner bisherigen Karriere, ist vor dem richtungsweisenden Europa-League-Qualifikationsduell mit Vojvodina Novi Sad dennoch hoch motiviert.

Im Gespräch mit sport10.at spricht der 21-Jährige über das Wiener Derby, unverschuldete Rückschläge, offensive Extraschichten nach dem Training und seinen "Neo-Konkurrenten" Christopher Trimmel.

sport10.at: 0:3 im Derby gegen die Austria - wie hast du das Spiel von der Bank aus erlebt?

Michael Schimpelsberger: Wir sind am Anfang nicht schlecht gestartet und es war ein offenes Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Dann haben wir viel zu einfach das 0:1 bekommen und damit in irgendeiner Weise auch den Faden verloren. Wir waren danach häufig viel zu spät in den Zweikämpfen, wodurch die Austria das Spiel dominieren konnte.

Im letzten Jahr hieß das Ergebnis auch 0:3, warst du 90 Minuten lang im Einsatz. Was ist schlimmer - wenn man selbst spielt, oder wenn man draußen sitzt und nicht eingreifen kann?

Ich denke, dass beides gleich schlimm ist. Egal ob man spielt oder nicht, man will das eigene Team immer siegen sehen. Natürlich ist es nicht dasselbe, vom Gefühl her ist eine 0:3-Niederlage gegen die Austria aber immer eine Katastrophe.

Vom Gefühl her ist eine 0:3-Niederlage gegen die Austria aber immer eine Katastrophe.
Michael Schimpelsberger

In der ersten Runde warst du gegen Wacker Innsbruck nicht einmal im Kader. Hast du das erwartet, oder kam es auch für dich überraschend?

Natürlich bin ich nicht davon ausgegangen, dass ich nicht einmal im Kader bin. Ich habe eigentlich keine schlechte letzte Saison gespielt und da war es dann schon schwierig, so etwas zu verkraften. Ich bin aber keiner, der vor dem Konkurrenzkampf davonläuft. Ich weiß, was ich kann und wo meine Stärken sind. Deswegen habe ich mir selbst gesagt, dass ich im Training einfach noch mehr Gas geben und meine Chancen, die ich bekomme, nutzen muss. Das werde ich auch weiterhin machen.

Wie geht man als Fußballer damit um, immer wieder solche - teils unverschuldeten - Rückschläge einstecken zu müssen?

Es ist ehrlich gesagt, sehr schwierig damit umzugehen. Wenn ich meine Leistung nicht gebracht habe und einfach nicht gut genug war, ist es etwas anderes. Dann weiß man wenigstens, woran es gelegen hat. Ich bin aber aus einer guten Saison heraus in einer guten körperlichen Verfassung zurückgekommen - dass sich der Trainer dann für jemand anderen entscheidet, habe ich ganz einfach akzeptieren müssen. Der Trainer hat seine Vorstellungen und aktuell ist Christopher Trimmel aus taktischen Überlegungen einfach gesetzt. Mir bleibt im Endeffekt nichts anderes übrig, als mich weiter aufzudrängen.

Dass sich der Trainer für jemand anderen entscheidet, habe ich akzeptieren müssen.
Michael Schimpelsberger

Peter Schöttel hat in der letzten Saison immer wieder betont, dass du eine überdurchschnittlich gute Saison als Rechtsverteidiger gespielt hast. Gibt es Gespräche, in denen er dir erklärt, warum es momentan nicht so oft für die Startelf reicht?

Natürlich hat er uns allen gesagt, dass aufgrund der Europa-League-Qualifikation viele Spiele auf uns zukommen werden und dass dabei immer wieder auch rotiert wird. Ich habe das so hingenommen. Als Spieler willst du jedes Spiel bestreiten, dass gerade auf so einer laufintensiven Position wie auf jener des Rechtsverteidigers, bei einer großen Anzahl von Spielen rotiert wird, ist aber auch verständlich.

Mit Christopher Trimmel ist jetzt ausgerechnet jener Spieler dein Konkurrent, der letzte Saison noch dein Partner auf der rechten Seite war - eine komische Situation, oder lernt man mit der Zeit damit umzugehen?

Komisch würde ich nicht unbedingt sagen. Wir verstehen uns genauso gut wie in der vergangenen Saison, er kann ja nichts dafür, dass ich nicht zum Einsatz komme. Jeder will spielen, deswegen hat sich zwischen uns nichts verändert. Wir haben in der letzten Saison auf der rechten Seite ziemlich gut harmoniert, weshalb ich es nur etwas schade finde, dass dieses Zusammenspiel nun vorerst aufgelöst wurde.

Es war mit Rapid abgesprochen, dass ich gefördert werde und bei einem guten Angebot auch wieder weggehen kann.
Michael Schimpelsberger

Du hast deinen Wechsel zu Rapid unter anderem damit begründet, dass du denkst in einem Alter zu sein, in dem du regelmäßig spielen solltest. Machst du dir selbst Druck spielen zu müssen?

Es ist sicherlich ganz schwierig. Es war ja so, dass ich aus Holland nicht hätte weggehen müssen. Das war mein Wunsch. Es war mit Rapid abgesprochen, dass ich gefördert werde und bei einem guten Angebot auch wieder gehen kann. Aber der Fußball ist so schnelllebig und die Situation kann sich einfach sehr rasch wieder ändern. Ich habe bis jetzt ein Spiel bestritten (in der Europa-League-Qualifikation, Anm.) und bin in der Bundesliga leider noch nicht zum Einsatz gekommen. Natürlich macht man sich da Gedanken, die Saison ist aber noch lange. Ich bin zuversichtlich, dass ich wieder mehr Spiele bestreiten werde.

Peter Schöttel hat dich in der vergangenen Saison zum Rechtsverteidiger umfunktioniert - auch im Hinblick auf das Nationalteam. Kommt eine andere Position für dich nun auch wieder in Frage?

Nein, eigentlich nicht. Mir gefällt die Position sehr gut und man hat in der letzten Saison ja auch gesehen, dass sie mir grundsätzlich gut liegt. Ich weiß, dass ich offensiv noch sehr viel Potenzial habe und wesentlich mehr nach vorne machen muss. Das geht aber nicht von 0 auf 100. Ich arbeite mit unserem Co-Trainer Thomas Hickersberger oft auch noch nach dem Training daran, trainiere Flanken und versuche, das was mir noch fehlt, aufzuholen. Gegen vermeintlich schlechtere Gegner hat Christopher Trimmel aufgrund seiner offensiven Fähigkeiten derzeit noch Vorteile, ich denke aber auch, dass ich in der Defensive der Kompaktere bin. Ich muss deswegen schauen, dass ich offensiv besser werde und dem Trainer zeige, dass ich das auch kann.

Ich denke, dass ich in der Defensive der Kompaktere bin.
Michael Schimpelsberger

Am Donnerstag steht wieder die Europa-League-Qualifikation auf dem Programm. Worauf wird es gegen Vojvodina Novi Sad ankommen und was habt ihr aus dem Hinspiel vom Gegner mitgenommen?

Es war ein schwieriges Spiel, weil Vojvodina sehr von der Stimmung gelebt hat. Die Fans sind bei jeder Aktion mitgegangen und sie haben uns hoch attackiert, um unseren Spielaufbau zu stören. Die Austria hat das am Sonntag ähnlich gemacht und wir müssen nun einfach versuchen, die Niederlage ganz aus dem Kopf zu kriegen. Wir müssen unser Spiel durchziehen und ein frühes Tor würde uns da natürlich extrem weiterhelfen. Im Endeffekt hilft alles nicht, wir müssen ganz einfach gewinnen.

Gegen die Serben warst du im Hinspiel über 90 Minuten im Einsatz. Rechnest du damit, dass du auch beim Rückspiel in der Startelf stehst?

Das weiß ich noch nicht, keine Ahnung. Diese Entscheidung liegt ganz alleine beim Trainer, ich kann nur soviel sagen, dass ich bereit bin. Ich hoffe, dass ich meine Chance bekomme. Denn die werde ich nutzen.