Groß war die Freude in der Sturm-Familie, als ihr verlorener Sohn Jürgen Säumel im Sommer an die Mur zurückkehrte. Nach seinem erfolgreichen Einstand in der Meisterschaft wurde es aber ruhig um den Publikumsliebling. Verletzungen und die fehlende Saisonvorbereitung machten dem Mittelfeldmann zu schaffen, doch das ist nun vergessen. Säumel steht voll im Saft, das will er auch im Match gegen Salzburg (Sonntag, 16 Uhr) zeigen.
Zusätzlich gepusht wird der 27-Jährige durch die vorzeitige Vertragsverlängerung um ein Jahr. "Jetzt kann ich planen", sagt Säumel im sport10.at-Talk. Außerdem spricht er über das anstehende Match in Salzburg, die 0:4-Europa-League-Abfuhr der Bullen und das harte Kartnig-Urteil.
sport10.at: Jürgen, der Verein hat die Option gezogen, du bleibst ein weiteres Jahr bei Sturm. Sicherlich ein gutes Gefühl, wenn man endlich Sicherheit hat.
Jürgen Säumel: Klar. Ich fühle mich sehr wohl in Graz, beim Verein und in der Mannschaft. Daher bin ich glücklich, dass der Verein die Option gezogen hat, vor allem zu diesem Zeitpunkt. Eigentlich hätte der Klub noch bis Mai Zeit gehabt, deswegen freut mich das umso mehr. Jetzt kann ich planen und ich werde versuchen, das Vertrauen in mich zu rechtfertigen.
Präsident Christian Jauk hat die Verlängerung am Donnerstag im Rahmen des Sturm12.at-Stammtisches bekanntgegeben. Wann hast du es erfahren?
Am Tag danach in einem Gespräch mit Trainer Franco Foda. (schmunzelt)
Auch Darko Bodul wird noch mindestens ein Jahr lang bei Sturm bleiben. Im Herbst hat er richtig aufgezeigt, da war seine Verlängerung nur logisch, oder?
Ja. Ich bin froh, dass er bei uns bleibt. Darko ist in kurzer Zeit zum absoluten Leistungsträger geworden und hat für uns viele wichtige Tore geschossen. Ich wünsche ihm, dass er fit bleibt, weil er noch sehr viel Potenzial hat. Wenn er verletzungsfrei bleibt, kann er es abrufen.

Bleiben in Graz: Bodul (li.) und Säumel.
Zurück zu dir. Die Verlängerung bedeutet, dass die Vereinsspitze mit deinen Leistungen im Herbst zufrieden war. Bist du das - trotz deiner Verletzungspausen - auch?
Bis auf die vielen Verletzungen und meine muskulären Probleme bin ich zufrieden. Es war schwer, den Rhythmus zu finden, weil ich keine Vorbereitung hatte und spät zur Mannschaft gestoßen bin. Für mich gilt dasselbe wie für Darko: Ich glaube, dass ich noch viel Luft nach oben habe, obwohl ich der Mannschaft bei meinen bisherigen Einsätzen schon helfen hab' können.
Jetzt stehst du voll im Saft und hast schon das Spiel gegen Mattersburg (1:0) in den Beinen. Ist das Gefühl besser als im Herbst?
Es gibt natürlich schon eine gewisse Sicherheit, weil ich in den letzten Jahren im Ausland im Winter keine Vorbereitung hatte. Wir haben praktisch durchgespielt. Speziell in Österreich ist die Wintervorbereitung besonders wichtig, um Kondition und die nötige Stabilität für das ganze Jahr zu schöpfen. Wir haben hart und intensiv trainiert, und ich habe sicherlich einiges aufholen können. Jetzt bin ich gut vorbereitet.
Im nächsten Spiel wartet am Sonntag (16 Uhr) Red Bull Salzburg. Hast du das blamable Europa-League-Spiel der Bullen gegen Metalist am Donnerstag gesehen?
Ja, ich habe es mir angeschaut. Für Salzburg hat es denkbar schlecht begonnen. Von so einem frühen Gegentor (nach 20 Sekunden, Anm.) muss man sich erstmal erholen. Salzburg ist das nicht gelungen. Ich als Sportler weiß wie es ist, wenn man so eine Niederlage einstecken muss. Man versucht, es im nächsten Spiel besser zu machen. Gegen uns werden sie brennen und alles in die Waagschale werfen, und darauf müssen wir vorbereitet sein.
Säumel über Salzburgs EL-Abfuhr
Habt Ihr Lehren aus der 0:4-Pleite der Bullen gezogen?
Ich glaube, dass so ein Spiel nicht unbedingt ein Maßstab ist. Wir haben im Herbst zum Beispiel in Wiener Neustadt 1:3 verloren und eine katastrophale Leistung geboten. Solche Partien kommen im Laufe einer Saison vor. Im Herbst haben wir kein einziges Auswärtsspiel gewonnen, und wenn wir oben dran bleiben wollen, müssen wir das im Frühjahr ändern. Wir wollen gleich auftreten wie zuhause, und dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis uns der erste Auswärtssieg gelingt.
Weißt du, wie lang der letzte Sieg von Sturm in Salzburg zurückliegt?
Ja, das war ein 2:1 im Jahr 2002.
Das war noch in der Ära Kartnig. Der wurde am Freitag zu fünf Jahren Haft und 6,6 Millionen Euro Geldstrafe verurteilt. Wie hat die Mannschaft das aufgenommen?
Wir haben es knapp vor dem Training erfahren - es war ein Schock für uns. Die Dauer und die Höhe der Geldstrafe ist der absolute Hammer.
Hast du vielleicht sogar Mitleid mit ihm?
Ja, klar. Ich hatte mit Hannes Kartnig immer ein gutes Verhältnis. Man darf in dieser Phase auch nicht vergessen, was er für den Verein geleistet hat. Er hat die ersten beiden Meistertitel nach Graz geholt, dazu den Cup und in der Champions League war Sturm auch dabei. Das sollte man nicht vergessen.
Du selbst bist im Vorjahr im Zeugenstand gesessen. Was ist dir damals durch den Kopf gegangen?
Ich hatte keine Vorerfahrung damit, war zum ersten Mal vor Gericht. Ich hatte nichts zu verbergen und daher war es nicht so dramatisch für mich. Allerdings war mir bewusst, dass es für alle Beteiligten um sehr viel geht. Für mich persönlich war es nur eine Erfahrung mehr.
Jürgen, danke für das Interview!






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