Michael Wagner kickte bei der Austria im offensiven Mittelfeld und schaffte den Sprung in die deutsche Bundesliga. 16 Jahre später macht es Zlatko Junuzovic dem heute 36-Jährigen nach. Der Ex-Austria-Individualtrainer spricht im sport10.at-Interview über den Wechsel von "Sladdi", die Herausforderung deutsche Bundesliga und einen möglichen Junuzovic-Nachfolger bei den Veilchen.
sport10.at: Michael, der Wechsel von Zlatko Junuzovic von der Austria zu Werder Bremen ist, wie man bei unseren Nachbarn sagt, in "trockenen Tüchern". Ist Werder der richtige Klub zur richtigen Zeit?
Michael Wagner: Es war vorhersehbar, dass er den Sprung ins Ausland wagen wird. Man kann ihm zu Werder nur gratulieren, es ist ein absoluter Top-Verein in Deutschland. In Bremen hat man die Zeit und das Umfeld um sich optimal zu entwickeln, das ist nicht bei allen Bundesligaklubs so. Das es jetzt noch im Winter geklappt hat, wird am ehesten noch die Austria glücklich gemacht haben.
Du hast selbst eine Saison lang in Freiburg gespielt. Darf man die deutsche Bundesliga von der Klasse her mit der österreichischen vergleichen?
Die Liga selbst ist um einiges besser besetzt, da ist viel mehr Geld und Interesse im Spiel. Schon beim Training sind immer Zeitungen und TV-Reporter vor Ort, man spielt vor bis zu 80.000 Zuschauer. Es ist alles größer aufgeblasen als in Österreich. Juno braucht sich aber nicht zu verstecken. Man darf sich in Deutschland zwar keine Durststrecken erlauben, weil sonst der nächste sofort da ist, aber ich glaube, dass er in Bremen gute Chancen hat, sich durchzusetzen.
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Mit Marko Arnautovic und Sebastian Prödl spielen bereits zwei Österreicher bei Werder. Ein Vorteil für Junuzovic?
Es ist immer gut, wenn man jemandem hat, der einem am Anfang hilft, sich zurechtzufinden. Bei Werder Bremen ist die Situation sowieso speziell, weil man schon viel Erfahrung mit österreichischen Spielern hat. Man wird dort nicht mehr belächelt, nur weil man aus Österreich kommt. Da haben Andreas Herzog, Sebastian Prödl und Marko Arnautovic schon viel Vorarbeit geleistet. Man wird da nicht auf die Nationalität reduziert. Der Juno ist ein Spieler, der dieses Vertrauen braucht um seine Leistung zu zeigen.
Apropos Herzog: Der Ex-ÖFB-Teamkicker hat ebenso wie Diego, Mesut Özil oder Johan Micoud im offensiven Mittelfeld von Werder gekurbelt. Ist es für Junuzovic eher eine Belastung oder Motivation, in derart große Fußstapfen zu treten?
Es ist prinzipiell eine Motivation, jeder Spieler geht mit solch einer Situation aber anders um. Es ist natürlich ein Druck, Vorschlusslorbeeren zu bekommen, aber doch besser, als von den Medien nur als Fehleinkauf wahrgenommen zu werden. Juno kann mit seinen Möglichkeiten eine gute Rolle spielen, er wird sich beweisen, auch wenn er nicht gleich ein Özil oder Diego sein kann.
Hast du einen Tipp für den Einstand von Junuzovic bei Werder?
Die norddeutsche Mentalität ist natürlich eine andere als die österreichische (lacht), da hätte er sich in München bei den Bayern natürlich weniger anpassen müssen. Die Fans werden ihn aber sicher willkommen heißen und genauso unterstützen wie jeden anderen Spieler. Juno ist sowieso ein sehr sympathischer Spieler, der sehr gut ankommen wird. Er ist kein Sprücheklopfer sondern eher ein ruhiger Typ, der mit der Leistung am Platz glänzen wird. Wenn er verletzungsfrei bleibt, hat aber gute Chancen, ein Fanliebling zu werden.
Müssen die Austria-Fans nach dem "Winter-Sale", in dem mit Junuzovic und Nacer Barazite zwei absolute Schlüsselspieler den Verein verlassen haben, Angst um ihren Klub haben?
Sorgen auf keinen Fall. Es ist halt einfach so, dass jeder österreichische Verein mit Ausnahme von Red Bull Salzburg auch von solchen Transfers lebt. Man muss mit Weitblick Talente holen, die die Perspektive haben, in Top-Ligen zu spielen und sie dann teuer zu verkaufen. Bei Juno war es Glück, dass man noch etwas Geld bekommt, Barazite war ein Goldgriff. Sportlich ist die Situation natürlich kein Vorteil, aber die Verantwortlichen halten sicherlich rund um die Uhr Ausschau, um vielleicht den nächsten Junuzovic an Land zu ziehen.
Du warst Individualtrainer beim Austria-Nachwuchs. Hast du da schon einen möglichen Junuzovic-Nachfolger gesichtet?
Es gibt mittelfristig Talente wie einen Sascha Horvath, der alle Anlagen hat, ein großer Spieler zu werden. Mit 15 ist es zwar noch zu früh, eine genaue Prognose abzugeben, aber in zwei bis drei Jahren ist er sicher ein Spieler, der für Furore sorgen kann. Das muss auch das Ziel der Austria sein, solche jungen Spieler zu finden und ins Team einzubauen. Generell ist es so: Ivo Vastic hat den Vorteil, dass er schon mit den Amateuren gearbeitet hat und daher ganz genau weiß, wer schon soweit sein könnte. Er wird die richtigen Leute hochziehen.