Vor exakt 100 Jahren, am 15. März 1911, wurde die Wiener Austria gegründet, feiert heute ihren 100. Geburtstag. Am 17. Juni 2011 (20.30 Uhr in der Generali-Arena) wird deswegen ein Spiel gegen die Allstars von Portugals ehemaligen Superstar Luis Figo ausgetragen. Der Erlös kommt einem guten Zweck, also der "Foundation" des ehemaligen Champions League- und Weltpokalsiegers zugute.
Im Gespräch mit dem Sportmagazin sprechen Herbert Prohaska, Karl Daxbacher und Thomas Parits über die violette Leichtigkeit des Seins, nackte Tatsachen in der Kabine und die irrsten Trainerwechsel.
Sportmagazin: Herr Daxbacher, Sie haben im Dezember ein künstliches Hüftgelenk gekriegt und kommen zum Jubiläumstalk ins Austria-Museum immer noch auf Krücken. Der Preis für eine lange Kick-Karriere?
Karl Daxbacher: Manche sagen, das habe ich dem Herbert zu verdanken, weil ich immer für ihn reinrutschen musste.
Herbert Prohaska: Das geb ich zu. Der Karl hat uns viel Arbeit abgenommen, die wir nicht so gern gemacht haben. Aber du hast ja auch vier Kinder, das geht auch auf die Hüfte.
Was tut euch in der Früh weh?
Prohaska: Alles! Nein, im Ernst, mir geht's jetzt ganz gut. Ich darf's nur nicht übertreiben. Wenn ich drei Tage hintereinander Sport machen würde, würd die Achillesehne anschwellen. Und der Ischias tut mir derzeit weh.
Thomas Parits: Ich mach jeden Tag mein Fitnessprogramm, 20 bis 25 Minuten, und das schon seit Jahren. Ich möcht's nicht verschreien, aber ich hab Gott sei Dank keine Beschwerden.
Der Spielstil der legendären Austria-Mannschaft von 1978 erinnert an den FC Barcelona von heute. Ist dieser Vergleich übertrieben?
Parits: Nein, übertrieben nicht. Wir haben schon damals beim Training immer zweimal berühren gespielt, bis es jeder intus hatte. Das war unser Erfolgsgeheimnis.
Prohaska: Zweimal berühren klingt einfach, aber was du am meisten dabei lernst, ist die Übersicht. Entweder du spielst ab, oder du suchst den Abschluss. Das Spiel wird schneller.
Daxbacher: So gesehen ist es schon mit Barca vergleichbar. Die spielen einmal berühren, das ist die höchste Stufe. Die zelebrieren das, einfach ein Genuss.
Was ist das Verrückteste, was ihr in der Kabine erlebt habt?
Prohaska: Bei uns war's vor jedem Match verrückt. Wir haben sogar den Masseur mit Medizinbällen gaberln lassen.
Parits: Das im Vorfeld eine gute Stimmung in der Kabine herrscht, ist extrem wichtig. Dort werden viele Dinge geregelt. Dazu brauchst du nicht immer den Trainer.
Gibt's das heute auch noch?
Daxbacher: Das liegt an den Spielern. Es gibt welche, die putzen sich ab, nach dem Motto: Der Trainer hat gesagt, ich darf das oder ich darf das nicht. Ein Spieler muss auch für sich selbst Entscheidungen treffen können, das muss er zusammenbringen.
Was sind positive Beispiele aus der aktuellen Mannschaft?
Daxbacher: Manche brennen so, die musst du fast bremsen - wie Junuzovic oder Baumgartlinger. Die verlieren fast den Kopf, weil sie so ehrgeizig sind. Baumgartlinger kann noch so schlecht in Form sein, er will immer den Ball haben. Das ist eine außergewöhnliche Eigenschaft. Er übernimmt immer Verantwortung, Angst haben oder verstecken gibt's bei dem nicht.
Karl Daxbacher ist seit drei Jahren Austria-Trainer, Thomas Parits gar seit vier Jahren Sportchef. Warum wird in Favoriten plötzlich auf Konstanz gesetzt?
Parits: Die Zeit unter Stronach war eine andere Welt. Die hohen Ziele, die er sich gesetzt hatte, wurden nicht erreicht. Wenn du heute als Trainer erfolgreich bist, dann bleibst du.
Prohaska: Aber Tommy, der Joschi Walter hat auch immer Gründe gefunden, einen Trainer zu feuern. Wobei man sagen muss, der Joschi hatte wenigstens eine Ahnung vom Kicken. Bei Stronach konnte man das nicht sagen.
Parits: Du hast recht, in meiner zweiten Ära als Trainer wurden wir mit drei Punkten Vorsprung Herbstmeister. Dann ruft mich der Joschi an und sagt: "Tommy, du machst es super, aber im Sommer kommt der Stotz." Tirol hatte gerade Ernst Happel verpflichtet und plötzlich waren eben ältere Trainer in.
Wird Herbert Prohaska jemals wieder eine Funktion bei der Austria haben?
Parits: Das ist ganz leicht zu beantworten: Der Herbert wollte ja nicht. Als ich vor vier Jahren hier angetreten bin, war er der Erste, den ich gefragt hab, ob er Trainer werden will.
Daxbacher: Denkbar ist das jederzeit. Tommy, du wirst heuer 65, du musst eh schön langsam an den Rückzug denken.
Prohaska: Ich hab jetzt das Angebot bekommen, in den Aufsichtsrat für Sport zu kommen, wo man über Spielereinkäufe mitbestimmen kann. Eine Rückkehr ist für mich aber noch immer undenkbar, weil ich bequemer und gemütlicher geworden bin. Ich bin als ORF-Experte, "Krone"-Kolumnist und Erste-Liga-Schirmherr noch immer im Fußball tätig, das ist das Schönste.
100 Jahre Austria - welche Person verkörpert dieses Jubiläum am meisten?
Parits: Als Spieler der Herbert.
Daxbacher: Sindelar, der hat angeblich genau das verkörpert, was das Austria-Spiel ausmacht.
Prohaska: 1. Joschi Walter, 2. Matthias Sindelar, 3. Georg Schreitl - unser Masseur ist auch eine Legende.
Das ganze Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Sportmagazins.






Happy Birthday: 





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