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Bull Salzburg jetzt Gesicht

"Red Bull steht für eine Art von Fußball"

Salzburg-Trainer Roger Schmidt bei sport10.at über Schwarzweißdenken, den Entwicklungsprozess und warum man bei Wintertransfers differenzieren muss.

tipp3-Bundesliga |  19.12.2012 | 07:39 |  Stefan Weger

Red Bull Salzburg erlebte eine Wintersaison mit vielen Ups and Downs. Zum Jahresabschluss weist der Rückstand auf Leader Austria Wien sieben Punkte auf. Spielerisch machten die Salzburger aber einen großen Schritt nach vorne, auch wenn sich das nicht immer auf das Ergebnis auswirkte. Coach Roger Schmidt zieht bei sport10.at Zwischenbilanz.

sport10.at: Herr Schmidt, was sagen sie zum Niveau der Liga?

Ich denke, dass das Niveau sehr gut ist. Ich habe sehr viele gute Spiele gesehen. Der österreichische Fußball braucht sich meiner Meinung nach überhaupt nicht zu verstecken. Der Standard, dem man dem modernen Fußball zuschreibt, der wird hier immer mehr weiterentwickelt und angepasst. Die Philosophie vieler Vereine ist es, nicht mehr nur passiv zu agieren, sondern auch das Spiel in die Hand zu nehmen, aktiv zu sein und nach vorne zu verteidigen.

Die Philosophie vieler Vereine ist es, nicht mehr nur passiv zu agieren, sondern auch das Spiel in die Hand zu nehmen, aktiv zu sein und nach vorne zu verteidigen.
Roger Schmidt über den Fußball in Österreich

Hat Sie das überrascht?

Dadurch, dass ich sehr kurzfristig nach Salzburg gewechselt bin, habe ich nicht viel Zeit gehabt, mich über die Liga zu erkundigen bzw. mir ein Bild zu machen. Ich bin völlig unvoreingenommen reingegangen und habe es so genommen, wie es ist. Ich habe mich auf meine Spieler konzentriert und sie weiterentwickelt. Wir haben dann natürlich die Gegner genau beobachtet und analysiert, was da auf uns zukommen wird.

Wie viel hat die Mannschaft von ihrer Philosophie bereits umgesetzt?

Man muss berücksichtigen unter welchen Voraussetzungen wir in die Saison gestartet sind. Ich bin kurz vor Saisonstart zur Mannschaft gestoßen. Wir haben dann sehr viele, sehr junge Spieler in den Kader integriert und dann auch noch eine neue Spielphilosophie. Das ist natürlich auch für die Spieler und die Mannschaft kein ganz einfaches Paket. Über weite Strecken sind wir den Weg gegangen, den wir gehen wollen. Auch in Spielen, die nicht mit dem Ergebnis geendet haben, das wir uns vorgestellt hatten.

Wie etwa gegen Rapid.

Genau. Die Art und Weise des Fußballs hat gepasst. Man hat nicht jedes Mal ein neues Red Bull Salzburg gesehen, sondern eine Mannschaft, die für eine bestimmte Art Fußball zu spielen steht. Man kann ein Spiel, ob es gut oder schlecht war, nicht alleine daran messen, ob der Ball vom Innenpfosten ins Tor geht oder ob er rausspringt. Zum Fußball gehört mehr dazu.

Man hat nicht jedes Mal ein neues Red Bull Salzburg gesehen, sondern eine Mannschaft, die für eine bestimmte Art Fußball zu spielen steht.
Roger Schmidt

Franky Schiemer hat gesagt, er hätte unter Ihnen enorme Fortschritte gemacht. Haben Sie auch das Gefühl, dass sich die Spieler kontinuierlich verbessert haben?

Ich denke schon, dass wir als Mannschaft Schritte nach vorne gemacht haben. Wir mussten uns erst mal finden, aber das hat die Mannschaft schnell geschafft. Der Anspruch an die Spieler bei unserem Spielsystem ist ein sehr hoher. Was die Spielentwicklung und das Spiel im Ballbesitz angeht. Da sind auch die Innenverteidiger sehr stark gefordert. Und da muss man schon auch ganz klar sagen, dass ein Franky Schiemer sich enorm gesteigert hat. Er spielt viel moderner und besser.

Das Spiel gegen den Ball hat sich sehr gut entwickelt.

Ja, da haben wir uns stark verbessert. Teilweise agieren wir da wirklich auf einem sehr hohen Niveau. Das kannten die Spieler vorher vielleicht noch gar nicht und wurde so auch noch nicht von ihnen verlangt. Der moderne Fußball ist geprägt von richtig gutem Verhalten gegen den Ball. Da reicht es nicht, nur ein guter Fußballer zu sein, sondern man muss sich auch in die Mannschaft einfügen und seinen Teil zur Balleroberung beitragen. In dem Bereich haben die Spieler extreme Fortschritte gemacht.

Der moderne Fußball ist geprägt von richtig gutem Verhalten gegen den Ball. Das kannten die Spieler vielleicht vorher noch gar nicht.
Roger Schmidt

Bis zum Strafraum hat man seit dem Umbruch eigentlich jeden Gegner dominiert. Nur dann haperte es an der Chancenauswertung. Wie kann man das trainieren?

Das kann man trainieren, das machen wir auch permanent. Ich glaube, dass die Erlebnisse in Pflichtspielen, in denen man Chancen hatte, die aber nicht verwertet hat und deswegen auch die Ergebnisse nicht stimmten, dazu beitragen, sich zu viele Gedanken zu machen. Darunter leidet wiederum die Entschlossenheit. Messi hat mit 19 auch noch nicht 88 Tore im Jahr gemacht. Diese Effizienz und die Sachlichkeit vor dem Tor hat er sich angeeignet. Wenn man bedenkt, dass wir mit 16-, 17-, 18-Jährigen spielen, muss man das in Kauf nehmen. Von diesen Spielern kann man nicht die Kaltschnäuzigkeit eines 28-jährigen Goalgetters erwarten. So schwer mir das nach einem Spiel, das man aufgrund der Chancen gewinnen hätte müssen, auch fällt zu sagen.

Also ist das der Jugend geschuldet?

Das jetzt als Ausrede zu verwenden, ist natürlich auch nicht richtig. Wir jammern da ja auch auf sehr hohem Niveau. Wir haben 47 Tore geschossen. Aber wir arbeiten daran und die Mannschaft wird daran wachsen und bald die Chancen noch besser verwerten.

Martin Hinteregger hat gemeint, dass er taktisch noch nie so gut eingestellt wurde wie von Ihnen. Haben Sie da, als Sie im Sommer gekommen sind, extra die Hebel ansetzen müssen?

Mein Anspruch ist es, die Spieler auf den Platz zu schicken und ihnen klar mitzugeben, was meine Vorstellung ist, wie sie zu spielen haben. Der Spieler muss wissen, was er zu tun hat. Er braucht ein gutes Gefühl, sonst kann er ja nicht sein volles Leistungspotenzial abrufen. Das heißt aber nicht, dass er nicht kreativ sein oder seine fußballerischen Fähigkeiten ausleben darf. Im Gegenteil, das soll er, aber eben in dem taktischen Konzept. Das ist die Grundvoraussetzung, sonst funktioniert eine Mannschaft nicht. Es ist nicht so, dass man vor dem Spiel elf Namen auf ein Blatt Papier schreibt und ihnen sagt, jetzt spielt. So funktioniert das nicht.

Mein Anspruch ist es, die Spieler auf den Platz zu schicken und ihnen klar mitzugeben, was meine Vorstellung ist, wie sie zu spielen haben.
Roger Schmidt

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