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Burgstaller geht Substanz

Burgstaller: "Das geht an die Substanz"

Guido Burgstaller bei sport10.at über die Lage bei Rapid, den Umgang mit Kritik, Nachteile gegenüber anderen Klubs und seinen Traum in Grünweiß.

tipp3-Bundesliga |  30.11.2012 | 08:33 |  Stefan Weger

Viel wurde in den vergangenen Wochen über Rapid geschrieben und vor allem wurden die Grünweien kritisiert. Neben der Führungsetage um Präsident RudolF Edlinger bekamen auch die Spieler eine Portion ab. sport10.at sprach mit Rapid-Offensivspieler Guido Burgstaller (23) über die Situation in Wien-Hütteldorf.

sport10.at: Guido, wie würdest du die letzten Wochen Revue passieren lassen?

Guido Burgstaller: Es waren auf jeden Fall sehr turbulente Wochen. Wir haben eine Zeit lang wirklich keinen guten Fußball gespielt. Vor allem das Spiel zuhause gegen WAC, das geht einfach gar nicht. So etwas darf uns nicht passieren. Jetzt geht es wieder besser. Wir haben die letzten drei Spiele in der Bundesliga für uns entschieden und stehen als Dritter nicht so schlecht da.

Es prasselte viel Kritik auf euch ein. Wie geht man damit um?

Das ist natürlich nicht klass‘. Wenn man jeden Tag liest, was alles schlecht ist, drückt das auf die Stimmung. Wir haben viele junge Spieler, die so eine Situation natürlich nicht kennen. Andererseits wissen sie, dass sie bei Rapid immer im Fokus stehen. Wir gehen nun mal den Weg mit jungen Spielern und ich bin mir sicher, dass das der richtige ist. Es wird aber immer wieder einmal kleine Rückschläge geben, das tut weh, aber aus den Fehlern muss man eben lernen.

Das ist natürlich nicht klass‘.
Guido Burgstaller über die Kritik

Wie gegen Rosenborg.

Das geht natürlich an die Substanz. Wir haben zahlreiche Chancen und haben geführt, die Führung hätte sogar noch klarer sein können, aber am Ende stehen wir wieder mit null Punkten da. Umso wichtiger war der Sieg gegen die Admira. Der hat uns geholfen und uns Selbstvertrauen gegeben.

Du bist mit 23 auch noch ein sehr junger Spieler, dennoch gehörst du zu den routinierten in der Mannschaft.

Das ist richtig. Wir haben bei Rapid eine sehr junge Bundesliga-Mannschaft. Ich gehöre schon zu den Alteren. Deswegen bin ich aber nicht der Typ, der ständig zu den jungen hingeht und ihnen Tipps gibt, das liegt nicht in meinem Naturell. Spieler wie der Stef (Hofmann; Anm.), Kulovits, Katzer oder Heikkinen, die geben den Ton an und sprechen die Dinge knallhart an.

Peter Schöttel wirkte phasenweise sehr angeknackst. Du kennst ihn ja bereits sehr lang. Hast du ihn schon so erlebt?

Es ist logisch, dass der Trainer geknickt war, aber ich kann jedem versichern, dass wir Spieler mindestens genauso enttäuscht und niedergeschlagen waren, als es sportlich nicht so gelaufen ist. Natürlich haben wir Spieler gemerkt, dass der Trainer sehr enttäuscht ist. Es ist aber auch normal, dass man nach schwachen Spielen grübelt, warum die Leistung so war. Das ist bei uns Spielern ja auch nicht anders.

Wenn man sich die Tabelle anschaut, steht ihr ja gar nicht so schlecht da.

Fakt ist, dass wir in der Europa-League-Gruppenphase spielen und das Austria, Salzburg und auch Sturm das nicht tun. Das soll keine Ausrede sein, aber es ist doch klar, wenn man jede zweite Woche ein Spiel mehr hat, dass einem dann die Kräfte früher ausgehen, als Spieler bei Klubs, die nicht international dabei sind. Die verlieren einfach nicht so viel Substanz.

Fakt ist, dass wir in der Europa-League-Gruppenphase spielen und das Austria, Salzburg und auch Sturm das nicht tun.
Guido Burgstaller

Andererseits ist es eine große Ehre und auch Chance, international zu spielen.

Ist es definitiv. Ich würde gerne jede Saison international spielen und auch immer im Nationalteam dabei sein. Das ist ein Traum, aber ich merke ganz einfach, dass mir schön langsam aber sicher die Kräfte ausgehen. Während andere Spieler vier bis fünf Tage für die Regeneration haben, war ich andauernd im Einsatz. So schön das ist, aber es kostet auch Kraft.

Freust du dich auf die Pause?

Wir alle sind froh, wenn jetzt dann einmal Pause ist. Aber wir haben noch drei Spiele in der Meisterschaft und das Europa League-Spiel gegen Kharkiv. Diese Partien wollen wir alle gewinnen, erst dann geht es in die Winterpause.

Was fehlt deiner Meinung nach, um international Punkte einzufahren?

Die Spiele gegen Leverkusen kann man verlieren. Man merkt da einfach, dass die deutlich über uns zu stellen sind. Aber im Spiel gegen Kharkiv oder auch in jenen gegen Rosenborg fehlt uns anscheinend die Cleverness und die nötige Ruhe vor dem Tor, um so ein Spiel für uns zu entscheiden.

Du hast gegen Kharkiv eine rote Karte erhalten.

Das meine ich auch. Auch das hat mit Cleverness zu tun. Ich war sauer, weil wir wieder zurücklagen. Aber klar ist auch, dass ich so nicht reagieren darf. Ein routinierter Spieler geht da nicht so rein.

Ein routinierter Spieler geht da nicht so rein.
Guido Burgstaller über seine rote Karte gegen Kharkiv

Ihr habt 32 Punkte auf dem Konto. Mehr als im vergangenen Jahr zu diesem Zeitpunkt und mehr als die meisten Vereine, die in den letzten Jahren die Doppelbelastung mit der Europa League hatten.

Bei Rapid hat man eben eine höhere Erwartungshaltung. Mittlerweile kann ich damit schon sehr gut umgehen. Bei Rapid muss man jedes Jahr um Titel spielen und man sollte jedes Spiel gewinnen. In der Meisterschaft stehen wir aber nicht so schlecht da. Dennoch schmerzen die null Punkte in der Europa League schon sehr. Das ist nicht optimal für den österreichischen Fußball, den wir verkaufen.

Wie bist du persönlich mit deiner Saison zufrieden?

Es geht immer besser. Ich gebe aber immer alles und auch wenn ich spielerisch nicht so gut in das Spiel finde, gebe ich dann über Einsatz 100 Prozent. Mein Problem ist, dass mir die Konstanz fehlt. Ich oft nicht das abrufe, was ich kann. Drei ganz guten Spielen folgt ein miserables. Das muss besser werden. Ich weiß, dass ich mich noch in ganz vielen Dingen verbessern kann.

Ich verschwende derzeit keinen Gedanken, was nach Rapid kommt. Mein ganzer Fokus liegt hier.
Burgstaller sieht seine nahe Zukunft bei Rapid

Und das wirst du bei Rapid tun.

Meine nähere Zukunft liegt bei Rapid. Ich will hier noch Titel gewinnen. Meistertitel und oder Cup, das ist mein Traum. Ich verschwende derzeit keinen Gedanken, was nach Rapid kommt. Mein ganzer Fokus liegt hier.