Der 42-jährige Martin Scherb gilt als ein akribischer Arbeiter, der den Fußball liebt. Ein großer Spieler war er aber nie. Er stürmte in seiner aktiven Karriere für Unterhausvereine und wurde in der Landesliga Torschützenkönig. Umso schwerer war sein Weg als Trainer in die zweithöchste Liga. Begonnen hat er im niederösterreichischen Amateurbereich, ehe er 2007 das Amt des Chefcoachs beim SKN St. Pölten übernahm.
sport10.at: Wie sehen die Ziele aus? Ist der Aufstieg machbar?
Martin Scherb: Wir sind Fünfter, Vierter, Fünfter und Vierter in den letzten Jahren geworden. Dieses Jahr wollen wir unter die Top drei und den Abstand zum Ersten verringern. Über den Aufstieg wird aber nicht gesprochen. Wir werden die Herbstsaison analysieren und nachdenken, wie wir die Planungen für die Zukunft machen. Unbestritten ist, dass wir in den nächsten zwei Jahren in die Bundesliga kommen wollen.
Martin Scherb über seinen Beginn beim SKN
Werden Sie im Winter am Transfermarkt zuschlagen?
Das wird alles in unserer Analyse besprochen. Ich bin mit dem Kader sehr zufrieden, aber wenn wir sehen, dass noch was notwendig ist, dann werden wir das entscheiden. Derzeit ist es aber noch zu früh.
Seit dem Sommer spielt Ihre Mannschaft in der neuen Arena. Was hat sich Ihrer Meinung nach für den Klub dadurch verbessert?
Uns ist gelungen, den Zuschauerschnitt von 1.100 auf über 3.500 Zuschauer zu erhöhen. Das hat mit der Arena zu tun aber auch mit der attraktiven Spielweise. Wir sind zudem die beste Heimmannschaft der Liga und das passt dann alles gut zusammen. Für meine Mannschaft und mich haben sich die Arbeitsbedingungen verbessert. Wir haben alles, was wir brauchen und so wie man es sich vorstellen kann. Alles kompakt und zusammen. Letztes Jahr war alles auseinander und es ist viel Energie für die Organisieren draufgegangen. Das ist jetzt einfach nicht mehr notwendig. Es ist leichter zu arbeiten und den Spielern wird es sicher mehr Spaß machen.
Sie waren nie Profispieler. Ein guter Trainer muss also kein erfolgreicher Spieler gewesen sein?
Muss er nicht, aber unbestritten ist, dass die Erfahrung von erfolgreichen Spielern schon einiges bringt. Und natürlich auch der Name und die vermeintliche Reputation. So etwas muss ich mir erst erarbeiten. Aber im Endeffekt kommt es immer auf das Gleiche raus. Man braucht Fach- und Führungskompetenz. Soziale und pädagogische Kompetenzen sind sehr wichtig und die sollte man lernen. Überhaupt muss man immer lernen. Wenn ein Trainer meint, er weiß alles, hat er schon verloren. Ich habe auch bei meiner Diplomarbeit für die UEFA Pro Lizenz über die Trainerkompetenzen und das veränderte Trainerbild in den letzten 30 Jahren geschrieben.
Wie sind Sie eigentlich dazu gekommen, Trainer zu werden?
Ich habe bis zur vierten Leistungsstufe gespielt und wurde auch Torschützenkönig, also ganz so schlecht war ich nicht. Aber ich hatte immer Trainer, die entweder schwarz oder weiß gesehen haben. Ich hatte eigentlich nie einen Gedanken, selbst Trainer zu werden. Josef Schöpf war dann ein Trainer, der mit Spielern gesprochen hat und es wurde mental gearbeitet. Ich habe mir gedacht, dass ich auch so einer werden könnte. Und ich habe dann als Spielertrainer begonnen und mich von der letzten Klasse in die zweite Bundesliga hinaufgearbeitet. Der SKN stand vor dem Abgrund und brauchte einen Trainer, der einfach gut mit jungen Spielern kann. Die Geschichte hat dann seinen Lauf genommen. Mittlerweile habe ich bereits 201 Spiele am Konto und das ist meiner Meinung nach schon etwas Besonderes. Vor allem, wenn es bei einem Klub ist.
Martin Scherb über seine Kollegen
Im österreichischen Fußball hält sich das Gerücht, wonach nur gute Fußballer gute Trainer sein können. Wie schwer war es für Sie, Trainer zu werden?
Das Problem ist, dass du als No-Name wenige Chancen bekommst. Das kritisiere ich auch bei der Trainerausbildung beim ÖFB. Man legt zu viel Wert auf die Spielerkarriere. Es gibt in den unteren Ligen sehr viele gute und talentierte Trainer, die einfach nicht die Chance haben, diese Pro Lizenz machen zu können. Die kommen dort gar nicht hin.
Liegt das auch an den Funktionären?
Sicher ist das eine Frage der Funktionäre. Bei denen sind klingende Namen oft interessanter. Ich habe beim SKN aber Glück. Wir sehen das alles als Projekt und ich bin der Projektleiter. Auf diesem Weg, der natürlich auch von Rückschlägen geprägt ist, musst du immer versuchen, bestmöglich zu leiten und darfst dich nicht von zu vielen Emotionen beeinflussen lassen. Die Ziele müssen immer im Vordergrund stehen. Das Problem von vielen Vereinen ist, dass der Präsident immer das höchste Ziel anstrebt. Auch wenn es noch so unrealistisch ist. Das ist bei uns nicht so.
Wie sieht das Verhältnis zu Ihren Trainerkollegen aus?
Zu den Kollegen in der Bundesliga und in meiner Liga habe ich guten Kontakt. Ich bin kein Außenseiter, weil ich kein Bundesligaspieler war. Wir haben einen sehr guten Umgang und tauschen uns oft aus.
Was könnte man Ihrer Meinung nach im österreichischen Ligasystem verändern?
Ich habe die Zwölfer Liga als Trainer miterlebt und in der Zehner Liga ist es viel professioneller. Das merkt man auch bei den Vereinen. Kein Verein aus der Zehner Liga hat Probleme, sich in der Bundesliga zu etablieren. Ich denke aber, dass der direkte Aufstieg aus der Regionalliga wieder her muss. Überhaupt wäre eine dritte Liga sinnvoll. Eine Liga mit Teams wie Klagenfurt, LASK, dem FAC, Villach, Pasching wäre gut. Solche Vereine fahren jetzt schon professionelle oder semiprofessionelle Strukturen und ob die dann ein bisschen weiter fahren, wird nicht das Problem sein. Einer steigt dann in die zweite Liga auf und einer steigt ab.
Und die Amateurmannschaften?
Man könnte ja bis zu zwei Amateurmannschaften in dieser dritten Liga mitspielen lassen. Aber auch eine U21 Meisterschaft mit den Amateurteams wäre eine gute Idee. Jeder würde seine beste Mannschaft in den Bewerb schicken. Das würde sicherlich viel bringen.
Ihr Vertrag läuft noch bis Sommer 2013. Planen Sie in St. Pölten zu bleiben?
Wir haben in der nächsten Zeit noch Gespräche. Es hat Vorgespräche gegeben, wie die grobe Zielsetzung aussieht und ich werde dann mein Konzept präsenteren. Ich bin ein gebürtiger St. Pöltner und es wäre mir ein Anliegen, meinen Verein in die Bundesliga zu führen. Dann könnte ich in Ruhe meine Memoiren schreiben und mich im VIP Klub zurücklehnen. (lacht) Spaß bei Seite: Es wäre einfach ein großes Ziel, den Klub aus der Heimatstadt in die Bundesliga zu bringen. Momentan gilt mein ganzer Fokus dem SKN.
Es gibt Gerüchte, wonach Ried an Ihnen interessiert sei. Stimmt das?
Dazu sage ich nichts. Weder so, noch so. Das habe ich mit meinem Präsidenten vereinbart.
Wie lautet die Philosophie Ihres Klubs?
Wir sehen uns als Plattform jungen Spielern eine Möglichkeit zu geben, in die Erste Liga zu kommen. Ich habe in jeder Startelf sechs oder sieben Spieler, die bei uns das Debüt gefeiert haben und aus der eigenen Akademie kommen. Zwei Drittel des Kaders kommen aus der Akademie. Wir wollen einen nachhaltigen Fußball spielen und setzen nicht alles auf eine Karte, denn uns soll es in den nächsten Jahren auch noch geben. Wir wollen die Spieler längerfristig binden, wollen attraktiven offensiven Fußball mit Kurzpassspiel spielen und das gelingt uns sehr gut.








Hochmodern:
Spielplan und Tabelle












Mitkommentieren! Sagen Sie uns Ihre Meinung ›