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Wenn aufhoere dann sage

"Wenn ich aufhöre, dann sage ich das"

Karriereende mit 26? Johan Vonlanthen wiegelt bei sport10.at ab. Warum er noch nicht ans Ende denkt, im Moment aber andere Dinge einfach wichtiger sind als der Fußball.

EM2012 |  06.06.2012 | 10:43 |  Stefan Weger

Johan Vonlanthen (26) galt einst als eines der größten Talente im europäischen Fußball. Jüngster Spieler der Schweizer Axpo-Super-League, jüngster A-Nationalteamspieler und zum Drüberstreuen jüngster Torschütze bei Europameisterschaften. 2004 erzielte er als damals 18-Jähriger gegen Frankreich den Treffer, der ihm diesen Titel mindestens vier weitere Jahre einbringt. Denn bei dieser EM ist kein Spieler dabei, der jünger ist, als Vonlanthen damals.

Der nun 26-Jährige hatte einen fast schon kometenhaften Aufstieg. Zuletzt sorgte eine Meldung für Aufsehen, dass er seine Karriere für beendet erklärt. "Das stimmt aber nicht", erklärt der dribbelstarke Schweizer.

Bei sport10.at spricht er außerdem über seinen Glauben, seinen aktuelle Aufgabe in Kolumbien, wie er sein verdientes Geld einsetzt und warum es ihn manchmal dennoch juckt, wieder auf dem Fußballplatz zu stehen.

sport10.at: Johan, hast du deine Fußballschuhe wirklich an den Nagel gehängt?

Johan Vonlanthen: Vor zwei Wochen hat mich ein gewisser Redakteur vom Blick angerufen. Er hat eigentlich auf dem Handy von meinem Papa angerufen. Ich war zufällig bei ihm. Damals haben wir uns kurz unterhalten. Er wollte ein Interview machen. Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht viel Zeit habe und er mich in zwei Wochen noch einmal anrufen soll. Bei unserem ersten Telefonat habe ich ihm nur kurz gesagt, dass ich verletzt bin und wieder Knieprobleme habe. Und ich habe ihm erzählt, dass es mir in Kolumbien gut geht. Über meine fußballerische Zukunft haben wir aber nicht gesprochen, denn momentan weiß ich nicht, wie ich weitermache.

Ich habe mit diesem Journalisten nie über meine fußballerische Zukunft gesprochen.
Johan Vonlanthen

Und zwei Wochen später hat er sich gemeldet?

Die zwei Wochen sind vorbei. Ich habe keinen Anruf bekommen. Er hat zwar gesagt, dass er mich versucht hat, zu erreichen. Er hat mir dann eine Email geschrieben, in der er mir mitteilte: "Johan, ich habe versucht, dich zu erreichen. Ich habe dich aber nicht erwischt, darum habe ich einen Artikel geschrieben und ich glaube, dass er gut ist."

Und dann hast du deinen Artikel gelesen.

Ich habe mir gedacht, ich flippe aus. Da standen Dinge, die einfach nicht stimmen. Ich habe ihm dann ein Mail geschrieben, in dem ich ihm alles erklärt habe, was ich eigentlich sagen hätte wollen. Wenn er es wirklich gewollt hätte, dann hätten wir uns zusammengesprochen. Diese Sachen, die dann in der Zeitung standen, sind nie aus meinem Mund gekommen. Ich habe das nie gesagt.

Was stört dich genau?

Ich hatte immer Angst über meinen Glauben zu sprechen. Ich dachte mir immer, Fußball ist Fußball und wollte mich, wenn ich Interviews gab, vor allem über den Sport unterhalten. Hin und wieder wurde ich auf meinen Glauben angesprochen. Ich fühlte mich aber nie gut, wenn ich darüber gesprochen habe. Glaube ist etwas Persönliches. Für mich ist der Glaube ein ganz wichtiges Element. Das heißt aber nicht, dass andere genau so denken müssen wie ich.

Glaube ist etwas Persönliches und ein ganz wichtiges Element.
Johan Vonlanthen

Du beendest deine Karriere also nicht.

Ich selber habe nie gesagt, dass ich jetzt aufhöre. Das ist auch nicht der Fall. Ich weiß aber, dass es in meiner Karriere schwierig wird, wenn ich am Samstag nicht mehr spielen will. Am Samstag gehe ich in die Kirche, bete zu Gott und will Menschen helfen. Da kann ich nicht arbeiten und Fußball spielen. Das ist das vierte Gebot, das ich einhalten möchte. Ich glaube an zehn Gebote und an die will ich mich halten, das ist mir wichtig und tut mir gut. Was mich aber so stört ist, dass in der Zeitung stand, dass ich meine Karriere beende. Wenn ich das mache, dann werden das alle erfahren, aber es soll aus meinem Mund kommen und nicht von einem Journalisten in einer Zeitung geschrieben werden. Der Moment ist noch nicht gekommen. Ich wurde jetzt wieder in eine Schublade geworfen. Aber ich finde man soll wissen, wie es zu dieser Geschichte gekommen.

Dennoch wird es schwierig werden noch einmal zurückzukommen.

Ich weiß, dass es schwierig wird, wieder zurückzukehren. Ich müsste, wenn ich noch einmal zurückkommen will, mich einer Operation unterziehen. Mein Knorpel im Knie ist ziemlich kaputt. Aber ich lasse mir Zeit, mal schauen, was die Zukunft bringt. Wenn Gott will, dass ich spiele, dann werde ich spielen. Ich habe in Itagüi am Samstag freibekommen, das hätte ich eigentlich nie für möglich gehalten, dass es einen Verein gibt, der mir das erlauben wird.

Ich müsste, wenn ich noch einmal zurückkommen will, mich einer Operation unterziehen. Mein Knorpel im Knie ist ziemlich kaputt.
Johan Vonlanthen

Was lief da eigentlich mit Itagüi? Du hast deinen Vertrag aufgelöst. Warum?

Ich war sehr dankbar, dass ich bei Itagüi die Möglichkeit erhalten habe, zu spielen. Es war für mich immer ein Wunsch und etwas Spezielles, einmal in Kolumbien bei einem Klub zu spielen. Itagüi hat mir dann sogar einen Vertrag gegeben, bei dem ich am Samstag frei hatte und nicht spielen musste. Ich habe dort auch gespielt, sechs Einsätze habe ich bekommen. Doch schon damals hatte ich Probleme mit meinem Knie. Erschwerlich kam natürlich hinzu, dass ich am Samstag nicht gespielt habe und sehr viele Spiele am Samstag stattfanden. Das war keine Überraschung für mich, denn das wusste ich davor schon, dass es wahrscheinlich nicht leicht werden würde.

Doch schon damals hatte ich Probleme mit meinem Knie. Erschwerlich kam natürlich hinzu, dass ich am Samstag nicht gespielt habe und sehr viele Spiele am Samstag stattfanden.
Johan Vonlanthen über seine letzte Station bei Itagüi

Und dann..

Ja, dann hat die Mannschaft gut gespielt und der Spieler, der auf meiner Situation gespielt hat, auch. Man weiß ja, dass ein Trainer eine Mannschaft, die Spiele gewinnt nicht gerne umstellt. Das habe ich auch voll und ganz verstanden. Im Dezember habe ich dann noch einmal mit dem Präsidenten gesprochen und wir sind dann zu dem Entschluss gekommen, dass wir die Zusammenarbeit, die wie ich schon gesagt habe, sehr schön für mich war, beenden. Auch wegen meinem Knie, das die unregelmäßigen Platzverhältnisse oft nicht verkraftet hat.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Johan Vonlanthen mit seinem Geld macht, warum er sich früher oft selbst im Weg stand, sich aber geändert hat, er in den Medien, vor allem in der Schweiz, immer schlecht wegkam und warum es ihn nach wie vor reizt auf die Fußballbühne zurückzukehren.


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