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Klettern Erdgeschoss

Klettern im Erdgeschoss

Wir wollen Stimmung machen – für das Bouldern! „Die bodenständigste Art des Kletterns, bei der ihr auf sichere Art eure Klettertechnik verfeinern könnt“, weiß auch die zweifache Weltmeisterin Anna Stöhr.

Outdoor |  14.11.2011 | 15:43 |  Christof Domenig

  • Das brauchst du zum Bouldern

    Schuhe: Hightechprodukte wie beim Klettern mit Seil. Kostenpunkt ca. 100 Euro
    Crashpad: Die rund 250 Euro sollte dir ein weicherer Aufprall wert sein.
    Chalkbag: Wird auf der Höhe des Steißbeins am Rücken in den Klettergurt eingehängt, um die Chalk für trockene Hände stets griffbereit zu haben. Preis: zusammen etwa 40 Euro
    Spotter: Ein Kletterkamerad, der am Boden steht und bei einem etwaigen Absturz (ab 2 Meter Höhe) den Aufprall mindert.
  • Die Weltmeisterin

    Anna Stöhr, 23 Jahre, wohnt in Rum bei ­Innsbruck, ist Heeressportlerin beim HLSZ Innsbruck. Klettert für den Ausrüster Mammut. In diesem Jahr gewann Anna in einem packenden Finale den Boulder-Weltcup und wurde zuletzt in den USA auch Boulder-Weltmeisterin.
    Kontakt: E-Mail: anna.stoehr@yahoo.de

Alle Ausreden, warum das Klettern nichts für dich ist, sind ab sofort gestrichen: Nein, du musst nicht besonders stark sein, um zu bouldern; du musst keine Klettererfahrung haben,­ um zu bouldern; du musst nicht schwindelfrei sein, um zu bouldern; und du musst nicht wetterfest sein, wenn du bouldern willst.
Und falls du gar nicht weißt, was Bouldern ist, dann räumen wir jetzt auch diese Ausrede weg: Bouldern bedeutet so viel wie Klettern ohne Siche­rung in Absprunghöhe. „Boulder“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Felsblock“. Und weil es Felsblöcke schon lange gibt, ist auch das Bouldern keine neue Sportart, die Marketingexperten erfunden haben. Die Anfänge reichen zurück bis 1900, maßgeblich entwickelt hat es dann in den 1950er-Jahren der Amerikaner John Gill: Er nutzte beim Klettern als Erster den Schwung der letzten Bewegung für den nächsten Zug. Dadurch entstand die fließende Gesamtbewegung. Und er verwendete als erster Kletterer Magnesia (heute Chalk genannt), um die Hände zu trocknen.

Einfach loslegen

Bei uns ist Bouldern bekannt geworden durch den Weltcup und die Weltmeisterschaften, die in dieser Disziplin ausgetragen werden. Jüngst in ­aller Munde ist das Bouldern durch ­Anna Stöhr: Die 23-jährige Tirolerin ist zweifache Weltmeisterin, Europameistern, hat zweimal den Gesamtweltcup gewonnen. Und weil es somit kaum eine­ bessere Ratgeberin zu diesem tollen Sport gibt, haben wir Anna um ihre­ weltmeisterlichen Tipps für alle Boulder-interessierten toptimes-Leser gebeten. Und die klingen eigentlich ganz simpel, nämlich: „Am besten einfach ran an den Fels und loslegen“, rät Anna allen, die Bouldern ausprobieren möchten. „Natürlich ist es hilfreich, wenn man seinen Körper beherrscht, und ­trainierte Muskeln schaden auch nicht. Aber die nötige Kraft bekommt man ohnehin mit der Zeit“, sagt Stöhr. 

Mit einem Kurs geht’s leichter

Zur Klarstellung: Unter einfach loslegen versteht Stöhr bei genauerem Nachfragen schon auch die Teilnahme an einem richtigen Kletterkurs – in einer Kletterschule im Freien oder den Winter über in einer Kletterhalle. „So etwas sollte man unbedingt machen und sich von ausgebildeten Leuten die Sicherheitsstandards lehren lassen.“ Ein Tipp dazu: Bei den Naturfreunden kostet der Einstieg ins Klettern ohne Seil 125 Euro.
Wer schon etwas Ahnung vom „normalen“ Klettern hat: Irgendwelche technischen Unterschiede zum herkömmlichen Klettern mit Seil gibt es keine. Und gute Technik ist auch auf diesen kurzen Boulderrouten, die maximal bis zu einer Höhe von zwei, drei Metern führen, das Um und Auf. Die Weltmeisterin lässt auch keinen Irrtum aufkommen: Nur weil Bouldern, speziell im Freien, aussieht wie Klettern­ im Erdgeschoss eines Hauses, ist es um nichts leichter als das klassische Höhen­klettern! Auch im „Kletterparterre“ sind in der Spitzenliga extreme Schwierigkeiten und Überhänge zu bewältigen.

Crashpad und Spotter

„Technik, Kraft und Körperspannung“ – das ist für Stöhr dabei die Dreieinigkeit, ohne die auf solchen Passagen nichts geht. Dazu kommt noch die volle Konzentration auf die Risse, Griffe, Tritte und Spalten im Fels – „der Kopf ist auch beim Bouldern extrem wichtig“, weiß die Tirolerin.
Zumal man eben nicht von einem Seil aufgefangen wird, wenn die ­Muskeln auslassen und die Finger aus den Felsgriffen rutschen. Dann geht es nämlich ungebremst abwärts bis zum Boden. Wo daher auch im Freien unbedingt ein Crashpad (eine tragbare Schaumgummimatte) liegen sollte. Und wo im besten Fall auch noch der „Spotter“ als Helfer warten sollte. Der verspottet aber nicht den Gestürzten, sondern versucht bei einem Absturz, dem Fallenden Hilfestellung zu geben und den  Aufprall auf der Matte abzufedern.

für Anfänger und Champions

Was für die Weltmeisterin das Spannendste ist? „Bouldern ist so vielschichtig. Man macht nie die gleichen Züge,­ die Auswahl ist schier endlos“, sagt Anna­ Stöhr – und man spürt ihre Begeisterung, wenn sie als Botschafterin für diesen faszinierenden Sport auftritt. „Schuhe, Chalk, Crashpad, einen gleichgesinnten Freund – mehr braucht es nicht zum Bouldern. Den passenden Felsblock natürlich auch. Und dann kann man schon losklettern.“

Fest steht aber auch, dass sich Bouldern nicht so leicht einordnen lässt: Ist es nun ideales Einstiegsklettern für Anfänger, weil es relativ risikoarm ist? Oder ist es vielmehr die Königsklasse des freien Kletterns, weil es ohne Seil durch die schwierigsten Passagen geht? Auch Anna Stöhr weiß darauf keine Antwort. Das müsse schon jeder für sich selbst entscheiden. Eines steht für sie aber fest: „Bouldern ist einfach die pure Form des Kletterns.“

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