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Ivica Osim Theater Traeume

Ivica Osim: Im Theater der Träume

Trainer-Philosoph Ivica Osim wurde am Freitag 70. sport10.at und Sturm12.at lassen ihn mit Auszügen aus seiner Biografie "Das Spiel des Lebens" hochleben. Heute: Im Theater der Träume.

Homepage |  05.05.2011 | 17:32 | 

Ivica Osim und die Champions League

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Wir hatten sehr viel Respekt vor Feyenoord, aber keine Angst. Das hat möglicherweise die zwei Spiele entschieden. Für den Klub, für den Präsidenten und die Fans war es etwas ganz Besonderes, zum dritten Mal die Qualifikation für die Champions League geschafft zu haben. Und das ohne unseren Kapitän. Ivica Vastic hatte sich in der zweiten Qualifikationsrunde gegen Hapoel Tel Aviv am Knie verletzt. Er ist zweieinhalb Monate ausgefallen. Das Match in Rotterdam konnte er nicht einmal im Fernsehen sehen, denn er war in Pula bei der Therapie und hat vom Aufstieg übers Telefon erfahren.
Zur Auslosung der Hauptrunde bin ihc nach Monte Carlo geflogen. Dort habe ich kurz daran gedacht, dass ich als einziger Trainer aus dem ehemaligen Jugoslawien noch dabei bin.


Unsere Gegner waren: Die Glasgow Rangers, für mich das stärkste Team unserer Gruppe, und ein Team, das die moderne holländische Schule spielt. Die Atmosphäre im Ibrox-Stadion ist einzigartig, beeindruckender als in Marseille. Als nächstes kam Galatasaray - nach dem Sieg im UEFA-Cup zählte für sie nur der Sieg in der Champions League. Und sie hatten alle Rechte darauf. Gegen Monaco haben dann alle geglaubt, das wir am ehesten bestehen könnten. Gegen den Meister aus dem Land des Welt -und Europameisters! Das sagt schon alles über unsere Entwicklung. Monaco ist nicht so aggressiv wie Glasgow, nicht so attraktiv wie Galatasaray - aber kann jedem Gegner Probleme bereiten.

"Als Tabellenführer nach Istanbul fliegen..."

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Als Tabellenführer nach Istanbul zu fliegen, das hätte sich nach der Auslosung vor zwei Monaten wohl keiner zu denken gewagt. Wir hatten nichts mehr zu verlieren. Im schlimmsten Fall wären wir Dritter gewesen und hätten im UEFA-Cup weiterspielen können. Deshalb war ich auch überhaupt nicht nervös. Und mein Vorteil war, dass ich über Galatasaray durch Abdulah Gegic bestens informiert war. Gegic war früher trainer beim FK Sarajevo, dem Stammklub unseres Tormanntrainers Refik Muftic. Gegic hat mich das erste Mal gleich nach der Auslosung zuhause in Graz angerufen. Er ist schon 77 Jahre alt, aber noch immer ein großer Fußball-Fachmann. Er war auch Trainervon Fenerbahce, dem populärsten Klub in der Türkei. Gegic lebt auch heute noch in Istanbul. Er kennt Galatasaray praktisch in-und auswendig und hat mir jede Woche seine Analysen nach Graz geschickt. Sicher, ich habe auch viel über Galatasaray gewusst, aber vor so einem bedeutenden Spiel ist jede Art von Information wichtig. Kleinigkeiten zu wissen, kann entscheidend sein. Ich wusste, dass Hagi schon Tage vor dem Match hohes Fieber hatte. Galatasaray war keine homogene Einheit, noch nicht so eingespielt wie sie später in der Zwischenrunde agiert haben. Und Galatasaray stand unter Druck.

Die Zeitungen haben Trainer Mircea Lucescu stark kritisiert und seinen Vorgänger Fatih Terim , der nach dem Sieg im UEFA-Cup zu Fiorentina gewechselt war, sowie Stürmerstar Hakan Sükür, der zu Inter gegangen war, zurückgefordert. Ich wusste, unsere Chance würde in der Offensive liegen. Die Türken waren unter Druck. Sie durften nicht verlieren. Auszuscheiden wäre für sie eine Katastrophe gewesen. Und im Match hat man gesehen, dass sie verunsichert waren. Nur eine verhaltene Anfangsoffensive - genau das hatte ich erwartet. Trotzdem sind sie nach einer halben Stunde in Führung gegangen - aus einem Elfmeter. Zur Pause tauschte ich Juran für Reinmayr ein. So konnten wir mehr Druck entwickeln. In der 64. Minute schoss Juran den Ausgleich. Doch Mario Jardel gelang das 2:1 - das zweite Kopfballduell, das er in diesem Match gegen Prilasnig gewonnen hatte. Das ganze Abschlusstraining hatte ich ihn nur Kopfbälle trainieren lassen. Ich wusste, dass wir noch ein Tor schießen konnten. Und dann passierte es: Zehn Minuten vor dem Ende hat Hakan Ünsal einen Schuss von Schopp unhaltbar abgefälscht. Das war`s. Die Türken machten praktisch nichts mehr. Denn alle im Stadion wussten genau, dass es beim Match in unserer Gruppe, Rangers gegen Monaco, wie in istanbul - 2:2 stand. Ein Resultat, das beiden Teams, Galatasaray und Sturm, zum Aufstieg reichte.

Der österreichische UEFA-Delegierte Georg Pangl, der genau hinter unserer Trainerbank saß, hatte uns signalisiert, dass das Match in Glasgow abgepfiffen worden war. Damit war es geschafft. Schiedsrichter Nilsson ließ noch drei Minuten nachspielen - doch die Mannschaften hatten längst Frieden geschlossen. Eine minute früher als geplant pfiff der Schiedsrichter ab. Er kam nachher zu uns in die Kabine und hat sich dafür entschuldigt. Er meinte:" Ich habe gesehen, dass der Nichtangriffspakt hielt" Das Publikum applaudierte. Das war das schönste Kompliment überhaupt. Die Leute waren zufieden, weil sie gesehen hatten, dass Galatasaray gegen eine Mannschaft gespielt hatte, die immer, bis zum Schluss gefährlich sein konnte.

Eine schöne Nacht in Istanbul

Ich bin nach dem Match nicht mit der Mannschaft zurück ins Hotel gefahren. Der Trainer muss beim Feiern nicht dabei sein. Ich war 20 Kilometer vom Mannschaftsquartier entfernt. Wir hatten eine private, kleine Feier in einem Fischrestaurant: Abdulah Gegic, Refik Muftic, Fahrudin Omerovic, der bei mir als Tormann bei Partizan Belgrad und im Nationalteam gewesen war, mein ältester Sohn Amar und ich. Wir haben gut gegessen, ein Geigen-Quartett hat aufgespielt, es war eine schöne Nacht in Istanbul. Ganz Europa wusste jetzt, wo Graz liegt. Sturm hatte mehr erreicht, als uns alle zugetraut hatten.


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