sportmagazin
sportmagazin
sportwoche
toptimes

Loggen Sie sich bitte ein!

habe keinen Kollegen betrogen

"Ich habe keinen Kollegen betrogen"

Für das Sportmagazin suchen Hintermänner, ein ertappter Dopingsünder und deren unermüdliche Gegner und Jäger Antworten auf die Frage: Sind häufigere Kontrollen sinnvoll?

Homepage |  11.02.2011 | 09:20 |  Manfred Behr

Kurt Moosburger: Ich betrachte den Sportler nicht als kriminell, weil er gedopt hat. Er ist ein Betrüger aus sportethischer, nicht aus juridischer Sicht.

Hans Holdhaus: Aus wirtschaftlicher Sicht schon. Stefan Matschiner: Wenn der seinen Tour-de-France-Sieg holt, ist der Zweite genauso gedopt. Und bei Olympia auch. Also wer ist dann der Betrogene?

Kurt Moosburger: Jan Ullrich hat ja gesagt: Ich habe keinen Kollegen betrogen.

Walter Mayer: Bei der Tour de France hat er niemand betrogen. Aber auf dem Weg dorthin?

Kurt Moosburger: Was mich ärgert: Es gibt vier, fünf Firmen, die Wachstumshormon herstellen, man weiß, dass der größere Teil nicht in die Medizin geht. Als Mediziner frage ich mich schon, wer klopft denn der Pharmaindustrie auf die Finger, wer kontrolliert denn, wo die undichten Stellen sind ?

Stefan Matschiner: Alles gut und schön, aber es gibt so viele Untergrundlabors, die irgendwelche Fakes herstellen, die genauso wirken, die kein Mensch jemals nachweisen wird.

Sportmagazin: Bei aller Machtlosigkeit – im Radsport gibt es über die letzten zehn Jahre so gut wie keinen Spitzenfahrer, der nicht positiv getestet oder durch Indizien schwer belastet wurde. Irgendwann erwischt es gewissermaßen jeden. So wenig erfolgreich scheint mir der Anti-Doping-Kampf denn doch nicht zu sein…

Hans Holdhaus: Es geht um die Effizienz. USADA hat im vorigen Jahr 1.000 EPO-Tests durchgeführt, ein positiver. Da stimmen die Relationen nicht. Die Analysemethoden werden aber besser und die Leute sorgloser, wenn sie über einen langen Zeitraum nie erwischt worden sind. Sie glauben, sie sind eh die Gescheitesten.

Sportmagazin: Wie kann man dann sagen: Mehr Kontrollen bringen nichts. Würde man in anderen Sportarten so rigide kontrollieren wie im Radsport oder Langlauf…

Walter Mayer: Der Langlauf hat 1200 Blutkontrollen, die Alpinen eine. Offizielle Aussendung der FIS. Man ist nicht bemüht, Somatotropin zu finden. Ja, glaubt denn irgendwer, die Alpinen sind sauber? Was ist mit dem Steiner, der jetzt für Deutschland stemmt, der als Zuckerkranker Insulin nehmen darf?

Kurt Moosburger: Insulin ist ein potentes Anabolikum, das ist vielfach nicht bekannt, als körpereigenes Peptidhormon mindestens so potent wie das körpereigene Steroidhormon Testosteron.

Stefan Matschiner: Und das gefährlichste, das muss man auch sagen.

Kurt Moosburger: Wenn ich ein Modellathlet mit 105 Kilo war und mich als Diabetiker "legal" mit Hilfe von hohen Dosen Insulin innerhalb von elf Monaten auf 137 hinaufmäste. Das ist nichts anderes als die missbräuchliche Anwendung einer an sich medizinisch notwendigen Therapie, und zwar ganz bewusst.


DTM Gewinnspiel



  • sportmagazin

    • Real Madrid
    • Gezähmter Arnautovic
    • Das große Laufextra
    • PLUS: Wiggins, Don King, Rodman, Ortlechner u.v.m.